Full text : Die Zucker-Industrie auf Cuba

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Die  Wirkungen  des  Gesetzes  bei  dessen  Erlas;  zu  überseheu,  war  ein
Ding  der  Unmöglichkeit.  Um  den  Widerstand  der  Pflanzer  nach  Gebühr
zu  würdigen,  mus;  man  sich  erinnern,  das;  in  allen  anderen  Tropenländern
die  Sklaverei  nicht  ohne  augenblickliche  schwere  Erschütterung  beseitigt
werden  konnte.  Dergleichen  lvar  also  auch  für  Cuba  zu  erwarten,  und
zwar  um  so  mehr,  "  als  Krieg  und  Noth  alls  die  Vermehrung  der  Bevölkerung ­
  eineil  sehr  ungünstigen  Einfllls;  geübt  hatten  nub  deshalb  ein
Mangel  ail  Arbeitskräften  vorauszusehen  war.  Auch  war  nací;  allen  bisherigen ­
  Erfahrungen  511  befürchten,  das;  die  freigelassenen  Neger  in  ihrer
Trägheit  und  Bedürfnißlosigkeit  zu  ernster  Arbeit  sich  llicht  bequemen
würden.
Der  Sklavenhandel  lvar  früher  ein  sehr  einträgliches  Geschäft  gewesen.
Er  war  es  gebliebell,  auch  als  er  nicht  mehr  offen  betrieben  wurde.  Die
Gouverneure  der  Insel  hatten  zuiileist  pro  Kvpf  einen  bestimmten  Betrag,
angeblich  eine  Unze  Goldes:  ein  Antheil  der  llur  selten  zurückgewiesen  wurde.
Noch  gegen  das  Jahr  1860  hin  betrilg  der  Preis  eilles  Sklaven  bis  311
1000  Piaster  oder  etwa  4400  Mark.  So  lange  der  Ersatz  für  den  Abgang
keine  besonderen  Schwierigkeiten  hatte,  wurden  die  Kräfte  der  Sklaven  nils
das  Rücksichtsloseste  ausgebeutet.  Der  Herr  hatte  alte  oder  sonst  arbeitsunfähige ­
  Sklaven  bei  sich  zu  unterhalten:  er  fanb  es  deshalb  billiger,  ihn
bei  Lebzeiten  bis  zlir  Erschöpfung  zil  nutzen  nnb  dann  durch  einen  neuen
zu  ersetzen.  Als  das  letztere  nicht  mehr  so  leicht  anging,  ivnrde  man  in
der  Behandlung  allerdings  etwas  vorsichtiger.  .
Die  Negerverkäufe  wurden  noch  vor  dem  letzten  Aufstande  in  Havana
durch  eine  Bekanntmachung  im  Tageblatt  angekündigt.  Dann  drängte
Alles  im  Vorsaale  und  nicht  selten  gab  es  heftigen  Streit  um  den  Eintritt
in  das  Verkaufslocal.  Wurde  letzteres  geöffnet,  so  stürzten  sich  die  Kanfliebhaber
  auf  die  feilgebotenen  Neger,  suchten  ihrer  möglichst  viele  bei  Seite
zu  drängen  und  befühlten  sie  hier  am  ganzen  Körper  wie  der  Metzger  das
Rindvieh,  damit  ihnen  kein  etwaiger  Fehler  entgehe.  Die  „Stücke",
welche  nicht  zusagen,  wurden  losgelassen,  sofort  von  Anderen  in  Beschlag
genommen  und  von  Neuem  betastet;  die  angekauften  wurden  mit  einem
Hemde  bekleidet  und  fortgeführt.
Ueber  die  Lebensweise  der  Neger  auf  den  Pflanzungen  läßt  sich  ein
Bericht  aus  beni  Jahre  1880  folgendermaaßen  ans.
Die  Neger  erhalten  neben  dem  Lohne  ihren  täglichen  Unterhalt.  Die
Nahrung  besteht  ans  Reis,  geriebenem  Rindfleisch,  süßen  Kartoffeln,  Mais,
Pisang;  hier  nnb  da  werden  auch  Nationen  von  gesalzenen  Fischen  gegeben.
Die  Neger  ziehen  Maisspeisen  vor.  Fast  auf  allen  Pflanzungen  ist  den
Negern  gestattet,  ein  Schwein  und  einige  Hühner  zu  halten,  auch  ein  Stückchen ­
  Land  für  ihren  Bedarf  zu  bearbeiten;  sie  bauen  aber  nie  etwas  anderes
als  Mais  oder  Pisang;  Gartengemüse  sind  ihnen  unbekannt.  Zwei  Anzüge
            
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