Object: Der Weltverkehr und seine Mittel

144 Die Eisenbahnen: Oberbau. 
letzte die Ausbildung der Lokomotive und Gestaltung des Gleises in seinen heutigen 
Formen mit Stahlschienen und Eisenschwelleu. 
Die Steinwürfelunterstützung der Abb. 106 hat in den ersten Jahrzehnten der 
Lokomotiveisenbahnen ausgedehnte Anwendung gefunden, in Deutschland hat sie sich auf 
einigen Linien bis 1880 erhalten. Dem modernen Eisenbahnverkehre sind die Einzel 
unterlagen nicht gewachsen. Bei den hohen Fahrgeschwindigkeiten und großen Radkasten 
unserer Zeit sichern sie nicht genügend die Gleislage und verursachen zudem viele Unter 
haltungskosten; auch fährt es sich hart und geräuschvoll auf ihnen. Ehe man in England 
die Steintvürfel endgültig aufgab, klärte man dort die Frage durch einen gründlichen 
praktischen Versuch. Nach Clark, „Railway MaeMnery“, welcher Quelle auch die 
Abb. 120, 127 u. 141 entstammen, wurde auf einem Abschnitte der Leeds-Manchester 
Bahn der Felsgruud geebnet und unmittelbar auf ihm die gußeisernen Stühle wie kt. 
den Einzelwürfeln verlegt. Auf dieser festen starren Bahn fuhr es sich aber so hart und 
unangenehm, litten Gleis und Fahrzeuge so stark, daß dieses Felsbett sehr bald durch 
Aufbringen von Bettung und Holzschwellen weicher gemacht werden mußte. Ebenso sind 
aus gleichem Grunde 
auch Versuche mit 
Mauerkörpern als 
Unterlagen fehlge 
schlagen. 
Bereits im Jahre 
1803 hatte Nixon 
auf einer Zechen 
bahn bei Newcastle- 
on-Tyne schmied- 
eiserne Schienen 
von quadratischem 
Querschnitte und 
zwei Fuß*) = 61cm 
Länge in Anwen 
dung gebracht, die 
zwar haltbar sich er- 
106. Iessops gußeiserne Fischtmuchschiene uns Kteinwürfctunterlagc, 1798. wiesen, aber Durch 
biegungen zeigten 
und dadurch den Widerstand der Fahrbahn erhöhten. Erst als Berkinshaw, Ingenieur 
der Bedlington Eisenwerke, 1820 das Schienenwalzen erfand — der eigentliche Walz 
prozeß war seit langem bekannt, beschränkte sich jedoch nur auf rechteckige Eisen 
stäbe — und Pilzschienen in Länge von 12—15 Fuß englisch anfertigen konnte, war 
die Möglichkeit gegeben, ein tragfähiges, dauerhaftes Gleis für Lokomotivbetrieb her 
zustellen. Die Walzschienen stellten sich anfangs nicht billig, zumal man in England an 
der für Gußeisen bewährten Fischbauchform festhielt. Diese konnte aber durch den Walz 
prozeß nicht erzeugt werden, mußte vielmehr nachträglich durch Handarbeit ans dem. 
wahrscheinlich mit gleichbleibender Höhe gewalzten Schienenstabe erstellt werden, wie dies 
Haarmann, Generaldirektor des Osnabrücker Stahlwerkes, in seinem 1891 erschienenen 
Buche „Das Eisenbahngeleise" nachgewiesen hat. In dem von ihm gegründeten reich 
haltigen Oberbaumuseum dieses Werkes, das eine nahezu vollständige Zusammenstellung 
der meisten bis jetzt in Benutzung gewesenen wichtigeren Oberbauanordnungen enthält 
und ohne gleichen dasteht, das auch auf der Weltausstellung in Chicago wohlverdiente 
Anerkennung fand, ist ein Fischbauchschienenstück aus dem ältesten Gleise der Stockton- 
Darliugton-Bahu (eröffnet 1825) enthalten. Seine Beschaffenheit deutet nicht auf- 
alleinige Herstellung im Walzprozeß, vergl. auch Abb. 107 u. 108. Neben der größeren. 
Haltbarkeit besaß die 4,57 ra lange schmiedeiserne Schiene den großen Vorteil, daß beb 
*) 1 Fuß englisch = 0,805 m.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.