Der Bankdirektor.
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tnien oder Handelshochschulen. Sie sollen auch den Nach
wuchs, so sagt man, zum Standesbewußtsein erziehen helfen.
Aber ist das ein Glück für die jungen Leute? Denn
werden sie sich wirklich des kaufmännischen Wertes be
wußt, so werden sie um so tiefer draußen im Leben die
Erniedrigung empfinden. Sie gelten dort genau so wenig
wie das übrige Bildungsproletariat, die Ingenieure,
Assessoren und Doktoren der Staatswissenschasten, die zu
Dutzenden auf jeder großen Unternehmung herumlaufen,
von denen einer durch Glück und Gunst einmal empor
steigt. Sie sind höchst ungeeignete Schwiegersöhne. Und
sehr nahe liegt die Gefahr, daß den Enttäuschten schließ
lich als Erßme des Standesbewußtseins die Forderung
erscheint, nicht fürder mehr als Kaufleute bei der Wahl
zum Reserveoffizier zurückgesetzt zu werden.
Standesbewußtsein ist kein Klassenbewußtsein. Und
das gerade fehlt und kann auf keiner Hochschule ein
geimpft werden. Die Erkenntnis der kulturhistorischen
Mission, die Handel und Gewerbe als Klasse gegenüber
den aus alter Wirtschaftsordnung her noch regierenden
Klassen zu erMlen haben, muß auf den Höhen der Kaus-
mannswelt ganz besonders in den Kreisen der Bankleiter
herrschend sein. Zn den Niederungen wimmelt bereits
das Proletariat, das von Tag zu Tag dem Brotherrn
fremder wird, mag er nun Chef oder Aktiendirektor sein.
Ich fürchte fast, es ist zu spät für Weckrufe. Nur
n °d) Nachrufe kann man dem deutschen Bürgertume
widmen. Es scheint sein Fluch zu sein, daß es als Klasse
niemals zur Macht kommen kann. Denn es wird mit
seinem eigenen Gelde beherrscht von seinen — adligen
Schwiegersöhnen.