Full text : Theoretische Sozialökonomie

u Kap. XXI. Theorie des internationalen Handels.
Worten ein Pfund Sterling etwa hundert Franken gleichgestellt wird.
Der natürliche Wechselkurs für das Pfund Sterling in französichen
Franken gemessen liegt also in der Nähe von 100. Mit diesem Wechselkurs
 wird die Kaufkraft des Geldes in den beiden Ländern ungefähr
ausgeglichen, so daß man für eine gewisse Geldsumme ungefähr ebensoviel
bekommt, wenn man sie ins französische oder englische Geld umwechselt.
 In diesem groben Sinne können wir sagen, daß der Wechselkurs
 eine Parität zwischen der Kaufkraft des ‘Geldes in den beiden
Ländern darstellt, und der Name ‚„‚Kaufkraftparität‘“ ist damit gerechtfertigt.
 Es ist zugleich klar, daß diese Kaufkraftparität der wesentliche
 Bestimmungsgrund des Wechselkurses sein muß. Ein direkter
Vergleich der Kaufkraft des Geldes in den beiden Ländern ermöglicht
uns gewiß nicht den Wechselkurs exakt zu berechnen, aber zeigt doch
unmittelbar, warum das Pfund Sterling nicht etwa gleich einem
Franken sein kann, sondern irgendwo in der Nähe von hundert Franken
liegen muß. Wenn die Engländer in Schilling anstatt in Pfund zu
rechnen begönnen, so würde der Wechselkurs auf ein Zwanzigstel seiner
früheren Gleichgewichtslage herabgesetzt werden, eben weil das neue
englische Geld dann nur ein Zwanzigstel der Kaufkraft des früheren hätte.
Der Wechselkurs muß sich also so einstellen, daß bei Umwechslung
 von einem Gelde zu einem anderen eine gewisse Summe ungefähr
dieselbe Kaufkraft behält. Wenn man sich zuweilen vorstellt, daß eine
Geldsumme, bei einem Wechselkurs in Gleichgewichtslage, eine viel
höhere Kaufkraft in dem einen Lande als in dem anderen hat, dürfte
dies meistens ein Fehl@&schluß aus ganz ungenügenden Beobachtungen
sein. Wenn z. B. das reisende Publikum zu dem Ergebnis kommt, daß
das Leben in einem reichen Lande viel teurer ist als in einem anderen,
und daraus den Schluß zieht, daß die Kaufkraft des Geldes im ersten
Lande wesentlich kleiner ist als diejenige in dem anderen, so beruht
dieser Schluß überwiegend auf dem Umstand daß die Reisekosten des
Publikums in hohem Grade von den Preisen persönlicher Dienste abhängig
 sind und deshalb besonders hoch sein müssen in einem reichen
Lande mit hohen Arbeitslöhnen. Glaubt man feststellen zu können,
daß eine große und repräsentative Menge von Waren in einem Lande
teurer ist als in einem anderen, so muß man immer untersuchen, ob es
doch auch nicht einige wichtige Waren oder Dienste gibt, die billiger
sind. Denn wäre dies nicht der Fall, so wäre es unmöglich zu erklären,
wie ein Gleichgewicht im internationalen Handel beim bestehenden
Wechselkurs zustandekommen könnte.
Andererseits ist wie schon betont ein exakter Vergleich zwischen
der Kaufkraft des Geldes im einen und dem anderen Lande nicht möglich.
 Überhaupt haben wir keinen zuverlässigen Maßstab für die absolute
 Kaufkraft einer Valuta in ihrem eigenen Lande. Was wir mit
Indexziffern feststellen können ist lediglich die relative Veränderung

612
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.