234 Die Abstufung der Gesellschaft (Gemeinschaft und „Gesellschaft“).
nen Gegensag steht; wir können sie als Gebundenheit oder Sinnverbundenheit
oder Ordnungsverbundenheit bezeichnen. ;
Wenn wir im folgenden von außergemeinschaftlichen Verhältnissen sprechen,
so soll darunter auch das Verhältnis solcher Individuen verstanden werden, die zueinander
in einer abstrakten Gruppengemeinschaft, aber in keiner engeren persönlichen
Beziehung stehen...
Erstens kann der andere Mensch im ganzen genommen, als
einheitliche Person aufgefaßt, dem Menschen nahe oder fern stehen.
Maßgebend dafür ist der Gesamteindruck, der sich namentlich bei wiederholter
Berührung von ihm ergibt. Die Grundlagen für diesen Eindruck
sind dieselben, die auch über Vorhandensein oder Fehlen der Gemeinschaft
entscheiden sowohl in den Fällen, in denen diese durch Geburt
oder Tradition oder bei einer Wahl durch äußere Rücksichten bestimmt
ist, wie in den Fällen, wo die Zugehörigkeit der freien Wahl
und Neigung entspringt; ‚die Gleichheit des Wesens oder, der Schicksale
und der ganzen Situation ergibt da, wo sie nicht zur Grundlage
einer Gemeinschaft ausreicht, doch eine mehr oder weniger breite Berührungsfläche
und damit ein gemeinschaftsnahes Verhältnis, auf das
unsre Kennzeichnung des Gemeinschaftsverhältnisses ($ 18) mit sinnzemäßer
Abänderung ebenfalls Anwendung findet.
2, Eine zweite Dimension, in der sich das Verhältnis näherer
oder fernerer Beziehungen entfalten kann, entspricht dem oben
($ 14,2) zergliederten Erlebnis des Mitteilens und Verstehens.
Wir sahen, wie bei ihm eine unmittelbare Berührung spezifischer
Art stattfindet. Damals haben wir den Vorgang nur in seiner
idealtypischen Reinheit betrachtet, d. h. in derjenigen ungebrochenen
Stärke, in der er von Haus aus die Tendenz hat, sich zu entfalten. Durch
besondere hemmende Einflüsse aller Art kann jedoch in der Wirklichkeit
seine Lebhaftigkeit bis zu jedem beliebig schwachen Grade und schließlich
bis zur Kälte der absoluten Sachlichkeit vermindert werden. Es
tritt uns hier also eine Variationsbreite in der unmittelbaren Beziehung
zwischen. Mensch und Mensch entgegen, die von größter Wärme bis zur
zrößten Kälte reicht. Wo dieselbe Person öfter mit andern in Berührung
tritt, erscheint ihre durchgängige Wärme oder Kälte bei der Berührung
den Beteiligten als eine ständige Eigenschaft. die sich jeweils
im einzelnen Fall aktualisiert.
Überall, wo die Mitteilung etwas von ihrer ursprünglichen Wärme
bewahrt hat, da besigt sie neben ihrem sachlichen Gehalt noch
einen besonderen, nämlich einen persönlichen Wert: neben der
„Darstellung“ bedeutet sie eine „Kundgabe‘“ (Bühler); neben dem Geist
spricht auch die Seele. Und zwar stellt diese Verbindung durchaus den