Full text: Ueber Betheiligung der Arbeiter am Unternehmergewinn

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Weigert. 
Der auf die Arbeiter entfallende Nutzen, häufig in Hunderte, ja Tau 
sende von Theilen getheilt, vermindert sich zu einem sehr geringen indivi 
duellen, durch den eine wesentliche materielle Aufbesserung der Lage der 
arbeitenden Klassen auch nicht im entferntesten zu ermöglichen ist. Er wird 
zum großen Theile nicht einmal zu Ersparnissen verwendet, sondern aufge 
braucht werden. Diese kleineren Beträge bilden also keine Vergrößerung des 
zu productiven Anlagen geeigneten Nationalvermögens, wie ihre Vereinigung 
in einer Hand gethan hätte. Die Ausdehnung der Industrie aber wird ge 
hemmt, die Waarenpreise gehen in die Höhe, die Nachfrage nach Arbeit ver 
ringert sich, und der Arbeitslohn sinkt. 
Recapitulire ich, so kann ich mich der Ansicht nicht verschließen, daß die 
Iiiclustrial partnership kein wirksames Mittel zur Erhaltung bezüglich 
Wiederherstellung des socialen Friedens bildet und daß ihr eher ungünstige 
Einflüsse auf die gesammte wirthschaftliche Entwickelung der Völker, wie auf 
den materiellen und moralischen Fortschritt der arbeitenden Klassen zuge 
schrieben werden müssen. Die practischen Versuche, die bisher mit ihr ange 
stellt worden sind, beweisen diese Ansicht. Es sind achtungswerthe Versuche 
von Unternehmern, den socialen Uebeln zu steuern, mit Opfern und An 
strengung in's Leben gerufen, zuweilen auch mit günstigen Resultaten belohnt. 
Sie sind jedoch, in den meisten Fällen weit entfernt, eine größere practische 
Bedeutung zu haben, vielmehr die Ausflüsse des Wohlthätigkeitssinnes edler 
Männer, die wir, wie jede edle Handlung mit Achtung behandeln müssen. 
Ob grade diese Richtung des Wohlthätigkeitssinnes eine richtige und nach- 
ahmungswerthe ist, ist eine andere Frage. Ich muß sie verneinen. Vor 
läufig ist die Arbeitsgesellschaft fast einzig in humanitäter Absicht gegründet 
worden, und wenn die erzielten Resultate meistentheils kein entschiedenes 
Fiasco, sondern mäßige Erfolge aufzuweisen haben, so sind dieselben in her 
vorragendem Maße auf Rechnung der Humanität zu stellen, die bei ihrer 
Gründung und Leitung die Hauptrolle gespielt hat. Soll aber diese In 
stitution aus dem Rahmen der Wohlthätigkeitsanstalt hinaus auf den Markt 
des Lebens unter die rechnenden, unter die unlauteren Unternehmer treten, 
so wird das Bild ein ganz anderes werden. Selbst der glänzendste Erfolg 
der bestehenden Gesellschaften spräche nicht für ihren allgemeinen Werth. 
Hundert durch Geschenke zu reichen Männern gemachte Arbeiter beweisen noch 
nicht die allgemeine glänzende Lage ihres Standes! 
Es fragt sich jetzt, wenn der Betheiligung der Arbeiter am Unter 
nehmergewinn nicht die gehofften Erfolge beiznmessen sind, auf welche andere 
Weise der so sehnlich gewünschte Frieden herzustellen sei; ob es in der Hand 
des Unternehmers liegt, denselben, ohne sich wirthschaftlich zu gefährden, zu 
verwirklichen. Das wesentlichste practische Mittel wird immer eine Auf 
besserung der materiellen Lage der Arbeiter bleiben, und zwar hält man mit 
Vorliebe die Heranziehung derselben an die Person und das Unternehmen 
des Arbeitgebers für zweckentsprechend. Allerdings sehe ich in der Erreichung 
dieses gleichzeitig ethischen wie materiellen Zieles die Lösung der socialen Frage 
und halte die Verwirklichung desselben für die Aufgabe aller Unternehmer.
	        
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