Full text : Ueber Betheiligung der Arbeiter am Unternehmergewinn

28

Weigert.

Der  auf  die  Arbeiter  entfallende  Nutzen,  häufig  in  Hunderte,  ja  Tausende ­
  von  Theilen  getheilt,  vermindert  sich  zu  einem  sehr  geringen  individuellen, ­
  durch  den  eine  wesentliche  materielle  Aufbesserung  der  Lage  der
arbeitenden  Klassen  auch  nicht  im  entferntesten  zu  ermöglichen  ist.  Er  wird
zum  großen  Theile  nicht  einmal  zu  Ersparnissen  verwendet,  sondern  aufgebraucht ­
  werden.  Diese  kleineren  Beträge  bilden  also  keine  Vergrößerung  des
zu  productiven  Anlagen  geeigneten  Nationalvermögens,  wie  ihre  Vereinigung
in  einer  Hand  gethan  hätte.  Die  Ausdehnung  der  Industrie  aber  wird  gehemmt, ­
  die  Waarenpreise  gehen  in  die  Höhe,  die  Nachfrage  nach  Arbeit  verringert ­
  sich,  und  der  Arbeitslohn  sinkt.
Recapitulire  ich,  so  kann  ich  mich  der  Ansicht  nicht  verschließen,  daß  die
Iiiclustrial  partnership  kein  wirksames  Mittel  zur  Erhaltung  bezüglich
Wiederherstellung  des  socialen  Friedens  bildet  und  daß  ihr  eher  ungünstige
Einflüsse  auf  die  gesammte  wirthschaftliche  Entwickelung  der  Völker,  wie  auf
den  materiellen  und  moralischen  Fortschritt  der  arbeitenden  Klassen  zugeschrieben ­
  werden  müssen.  Die  practischen  Versuche,  die  bisher  mit  ihr  angestellt ­
  worden  sind,  beweisen  diese  Ansicht.  Es  sind  achtungswerthe  Versuche
von  Unternehmern,  den  socialen  Uebeln  zu  steuern,  mit  Opfern  und  Anstrengung ­
  in's  Leben  gerufen,  zuweilen  auch  mit  günstigen  Resultaten  belohnt.
Sie  sind  jedoch,  in  den  meisten  Fällen  weit  entfernt,  eine  größere  practische
Bedeutung  zu  haben,  vielmehr  die  Ausflüsse  des  Wohlthätigkeitssinnes  edler
Männer,  die  wir,  wie  jede  edle  Handlung  mit  Achtung  behandeln  müssen.
Ob  grade  diese  Richtung  des  Wohlthätigkeitssinnes  eine  richtige  und  nachahmungswerthe
  ist,  ist  eine  andere  Frage.  Ich  muß  sie  verneinen.  Vorläufig ­
  ist  die  Arbeitsgesellschaft  fast  einzig  in  humanitäter  Absicht  gegründet
worden,  und  wenn  die  erzielten  Resultate  meistentheils  kein  entschiedenes
Fiasco,  sondern  mäßige  Erfolge  aufzuweisen  haben,  so  sind  dieselben  in  hervorragendem ­
  Maße  auf  Rechnung  der  Humanität  zu  stellen,  die  bei  ihrer
Gründung  und  Leitung  die  Hauptrolle  gespielt  hat.  Soll  aber  diese  Institution ­
  aus  dem  Rahmen  der  Wohlthätigkeitsanstalt  hinaus  auf  den  Markt
des  Lebens  unter  die  rechnenden,  unter  die  unlauteren  Unternehmer  treten,
so  wird  das  Bild  ein  ganz  anderes  werden.  Selbst  der  glänzendste  Erfolg
der  bestehenden  Gesellschaften  spräche  nicht  für  ihren  allgemeinen  Werth.
Hundert  durch  Geschenke  zu  reichen  Männern  gemachte  Arbeiter  beweisen  noch
nicht  die  allgemeine  glänzende  Lage  ihres  Standes!
Es  fragt  sich  jetzt,  wenn  der  Betheiligung  der  Arbeiter  am  Unternehmergewinn ­
  nicht  die  gehofften  Erfolge  beiznmessen  sind,  auf  welche  andere
Weise  der  so  sehnlich  gewünschte  Frieden  herzustellen  sei;  ob  es  in  der  Hand
des  Unternehmers  liegt,  denselben,  ohne  sich  wirthschaftlich  zu  gefährden,  zu
verwirklichen.  Das  wesentlichste  practische  Mittel  wird  immer  eine  Aufbesserung ­
  der  materiellen  Lage  der  Arbeiter  bleiben,  und  zwar  hält  man  mit
Vorliebe  die  Heranziehung  derselben  an  die  Person  und  das  Unternehmen
des  Arbeitgebers  für  zweckentsprechend.  Allerdings  sehe  ich  in  der  Erreichung
dieses  gleichzeitig  ethischen  wie  materiellen  Zieles  die  Lösung  der  socialen  Frage
und  halte  die  Verwirklichung  desselben  für  die  Aufgabe  aller  Unternehmer.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.