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I. Geschichte und Entwicklung des Kartellwesens.
nur in der freien Entfaltung der Kraft, in der schrankenlosen
Konkurrenz das Heil zu erblicken, so wurden sie durch die
gewaltigen Schläge der Zeit belehrt, daß die Zusammenfassung
der Kräfte durch Regulierung der Preise und der
Produkten nutzbringender sei 1 ). Der Kartellgedanke hat
seine erste Verwirklichung und zugleich seine höchste Vollendung
gefunden im Bergbau und in der Eisenindustrie. Er
ist aber heute längst nicht mehr auf diese Industrien beschränkt
geblieben. Die großartigen Erfolge der Rohproduzenten
haben überall zur Nachahmung angeregt. Die Kartellierung
greift daher mehr und mehr über auch auf solche
Industrien, die von Natur keineswegs so geeignet sind,
wie die Montan- und Eisenindustrie. Diese Kartelle sind
daher infolge des Fehlens dieser günstigen Vorbedingungen
viel schwächer und bedeutungsloser, weshalb sie auch in
diesen Ausführungen weniger berücksichtigt werden sollen.
Die Montanindustrie, die zurzeit ungefähr ein Heer von
600 000 Arbeitern beschäftigt, ist ebenso wie die schwere
Industrie, die ungefähr 300 000 Arbeitern Brot und Nahrung
gibt, durch und durch großkapitalistisch. Anlage und Betrieb
eines einzelnen kombinierten großen Hüttenwerkes
machen 30 bis 40 Millionen Mark und mehr erforderlich.
Trotz dieser Riesenkapitalien hat die schwere Industrie in
den sechziger und siebziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts
vielfach unrentabel gewirtschaftet. Hinzu kamen
besonders die sich geradezu überstürzenden technischen
Neuerungen in Hochofen-, Stahl- und Walzwerksbetrieben,
welche Millionen verschlangen und heute angeschafft,
morgen schon wieder als veraltet ausgeschaltet werden
mußten.
Neben der Konkurrenz der deutschen Werke unter sich
war es besonders die englische Konkurrenz, welche während
der sechziger und siebziger Jahre, einer Zeit freihändlerischer
Handelspolitik Preußens bzw. Deutschlands, die deutsche In-]
) Diese Ausführungen über die Kartellierung der schweren Industrie
stützen sich in der Hauptsache auf eine Darstellung bei Wieber,
Der Arbeiterschutz usw., p. 23 ff. Es ist bemerkenswert — es ist
hierauf später noch besonders darauf hingewiesen worden —, daß
Wieber, als Vorsitzender des christlichen Metallarbeiterverbandes, einer
Kartellierung der schweren Industrie, als auch im Interesse der Arbeiterschaft
liegend, das Wort redet.