i
!!l. Kapitel.
Kartell und Konjunktur.
Eine der interessantesten Fragen aus dem weiten Gebiet
des Kartellwesens ist die, ob die Kartelle auf die Schwankungen
der wirtschaftlichen Konjunkturen nivellierend
eingewirkt und damit der Arbeiterschaft stetigere Beschäftigung
und stetigere Löhne gebracht haben, oder ob den
Kartellen in dieser Hinsicht überhaupt eine größere Bedeutung
nicht beizumessen ist.
Nach der volkswirtschaftlichen Qrundlehre, daß der Preis
das Ergebnis von Angebot und Nachfrage ist, wird bei
freiem Wettbewerb eine Regelung des Preises ganz von selbst
erfolgen. Diese gewissermaßen selbsttätige Preisbildung
wird aber in der Praxis durch die verschiedensten Verhältnisse
beeinflußt. Eine solche Beeinflussung erfolgt in der
Neuzeit vor allem auch durch die Kartelle, die das Gesetz
der natürlichen Preisbildung durch die Produktionsregelung
und die Bestimmung fester Preise wenn auch nicht vollkommen
aufheben, so doch erheblich umgestalten. Diese
Umgestaltung wird, wenn sie in richtiger Weise erfolgt,
volkswirtschaftlich günstig auf alle Kreise wirken können,
sie wird weiterhin auf die Krisen einen erheblichen Einfluß
auszuüben vermögen. Hierin würde den Kartellen ein großer
Fortschritt zuzuschreiben sein, insbesondere bei Berücksichtigung
der sich hieraus ergebenden günstigen Wirkungen
für die Arbeiter, da bei freiem Wettbewerb nicht nur der
Entstehung von Krisen nicht vorgebeugt, sondern diese eher
noch verschärft werden.
Halten wir uns zunächst kurz vor Augen, was man
unter einer wirtschaftlichen Konjunktur versteht. Konjunktur
vom mittellateinischen conjunctura, die Verbindung oder
das Zusammentreffen gewisser Umstände, die Zeitläufe, nennt
man im Handel die Aussichten, welche sich nach Lage des
Marktes, besonders nach der jeweiligen Stärke des Angebotes
und der Nachfrage, für geschäftliche Unternehmungen dar■
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