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Richard Schüller.
den Gegenden bewegen, in denen sie mehr kosten, sind die Fälle
nicht selten, in denen die Einfuhr zu hoch bewertet wird, weil
der Ankauf im Ausland zu niedrigeren, als den der inländischen
Parität entsprechenden Preisen erfolgt. Ferner werden sowohl
Einfuhr als Ausfuhr nach den Preisen geschätzt, die zur Zeit
des Grenzübertrittes der Waren gelten und von den beim Ge
schäftsabschlüsse bewilligten Preisen oft ab weichen; dies gilt
insbesondere bei Produkten, die im Laufe eines Jahres großen
Preisschwankungen unterliegen, wie Getreide, Baumwolle, Zucker.
So haben heuer die meisten Zuckerfabriken einen großen Teil
ihrer Erzeugung bereits im Sommer zu niedrigeren Preisen voraus
verkauft; der erst in den Wintermonaten stattfindende Export
des Zuckers wird aber in die Ausfuhrstatistik mit den zur Zeit
der Ausfuhr geltenden Preisen eingesetzt werden. Endlich kommt
in Betracht, daß in einer statistischen Position oft verschieden
artige Waren und noch häufiger verschiedene Qualitäten der
gleichen Ware zusammengefaßt sind und daß der Anteil der
einzelnen Artikel und Qualitäten nur erfahrungsmäßig und in
vielen Fällen nicht verläßlich festgestellt werden kann. Im
Deutschen Reiche ist deshalb für einen Teil des Außenhandels mit
der Schätzung der Werte durch Fachleute die Wertanmeldung
durch den Versender kombiniert worden. In letzter Zeit ver
anstaltet der deutsche Handelstag eine Umfrage darüber, ob die
Wertanmeldung nicht verallgemeinert werden soll. Die über
wiegende Anzahl der deutschen Handelskammern und wirtschaft
lichen Korporationen spricht sich hiefür aus, um — trotz der
damit, insbesondere für die Spediteure, verbundenen Mehrarbeit —
die für die handelspolitischen Zwecke erforderliche größere Ge
nauigkeit der statistischen Anschreibungen zu erreichen. Auch
bei uns wäre es sehr wünschenswert, die handelsstatistischen
Werte durch Änderung der Erhebungsmethode besser als bisher
zu erfassen.
Obgleich durch die angeführten Fehler die Richtigkeit der ab
soluten Wertziffern unser Handelsstatistik wesentlich beeinträchtigt
wird, gelingt es bei der großen Sorgfalt und Sachkunde, mit
der die gegenwärtige Methode gehandhabt wird, doch, ein im
ganzen wahrheitsgetreues Bild zu erzielen. Innerhalb welcher
Grenzen sich die Fehler bewegen, zeigt z. B. folgender Vergleich: