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ganzen Binnenverkehr zu bewältigen hatten, ging der Staat zu einer umfassenden Verpflegungspolitik
über. Eine besondere Bedeutung erlangten die Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Seeschiffahrt,
um die Sicherstellung der Zufuhr aus dem Auslande zu gewährleisten. Als dieses Ziel durch die
Schiffahrtssubventionen nicht mehr zu erreichen war, wurde die Handelsflotte durch den Staat ge-
chartert?).
Daneben versuchte der Staat durch Förderung und künstliche Beschleunigung des Industrialisierungs-
prozesses, die Wirtschaft von der ausländischen Versorgung unabhängig zu machen. Schon bei Schaffung
vieler dieser neuen Industrien stand zu erwarten, daß eine Rentabilität nach Friedensschluß infolge
Fehlens einer nationalen Kohlen- und Rohstoffbasis auf längere Zeit hinaus nicht zu erzielen sein würde.
Die Wirtschaftspolitik der Nachkriegszeit sah sich dann auch gezwungen, zu Schutzzöllen im Interesse
der neu geschaffenen Wirtschaftszweige ihre Zuflucht zu nehmen.
Die Vermehrung der Staatsaufgaben während des Krieges findet in der Einsetzung einiger neuer Mi-
nisterien ihren Ausdruck. So wurde 1916 ein besonderes Transportministerium (Ministero dei Trasporti
Marittimi e Ferroviart), 1917 ein Kriegswohlfahrts- und Pensionsministerium (Ministero Assistenza
Militare e Pensioni di Guerra) sowie ein Verpflegungsministerium ( Ministero Approvigionamento e Con-
sumi) und 1918 das Ministerium für die befreiten Gebiete (Ministero delle Terre Liberate) geschaffen.
Bei einem Vergleich der durch die einzelnen Ministerien bewirkten Aufwendungen tritt neben dem
Emporschnellen der Rüstungsausgaben das Steigen der Pensionslasten hervor.
b. Die Entwicklung der Einnahmen,
Um den Finanzbedarf zu decken, mußte man versuchen, den Ertrag der direkten Steuern’ zu steigern,
da eine Ertragserhöhung der indirekten Steuern und Gebühren infolge der Kriegsverhältnisse nur be-
schränkt möglich erschien. Die beiden folgenden Übersichten zeigen, und zwar zunächst in absoluten
Zahlen, dann in Form eines Index unter Zugrundelegung der Verhältnisse von 1913/14, in welchem Maße
es gelang, die direkten und indirekten Steuern und die Gebühren zur Kriegsfinanzierung heranzuziehen.
Bemerkenswert sind dabei die Zahlen der' dritten Übersicht, die das Aufkommen der verschiedenen
Abgabearten in Prozent des gesamten Steueraufkommens ausdrücken. Die durch den Krieg bedingte
Umstellung des italienischen Steuersystems wird am besten dadurch gekennzeichnet, daß 1913/14 auf
die indirekten Steuern 55,4 vH des Steueraufkommens, auf die direkten nur 32,1 vH entfielen, dagegen
1918/19 46.4 vH auf die indirekten und 41,8 vH auf die direkten Steuern.
Aufkommen) in Millionen Lire der
Finanzjahr direkten Steuern ” indirekten Steuern / Gebühren
Original- | Vorkriegs- Original- | Vorkriegs- Original- | Vorkriegs-
nn _ zilfern | kaufkraft | ziffern | kaufkraft ziffern | Kaufkraft
1913/14 rer 618 612 1.068 1.057 242 240
1914/18. he 672 622 932 863 243 224
196 808 647 1.239 991 279 223
1916/17 kr 1.167 870 1631 1215 397 295
17/8 1.658 987 2070 1.232 507 302
1918/19... 2251 1.643 2.498 1.824 634 463
Aufkommen) der verschiedenen Abgabearten in der Kriegszeit
im Vergleich zum letzten Vorkriegsjahr (1913/14 — 100)
Finanzjahr direkte Steuern ‚indirekte Steuern Gebühren a
Original- | Vorkriegs- | Original- rieas- I Oripinal- ps
LI | “| RE
1913/14... 40.5 100 100 100 100 100 100
Less 109 102 87 82 100 N 94
196 131 106 116 | 94 115 93
19167 189 142 153 | 115 165 124
IB 268 148 194.1 117 209 115
1918/10... 364 268 234 173 262 193
1) Nach Jones, a. a. 0. S. 351.
2) Nach Teresio Gola, Le Svpese e le Entrate dello Stato nel’ _Ultimo Dodicennio, in B. Griziotti, a. a. 0., S. 182