Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Descartes. 
risch gegebenen Wahrnehmungsmaterial gegenübertreten und es 
nach ihnen umformen: ein Grundgedanke, der zuerst von Niko- 
laus Cusanus in seinem Begriff der „Assimilation“ ausgesprochen 
war und der uns seit ihm in immer reinerer Entwicklung be- 
gleitet. — 
Die Frage, welcher Art das absolute Sein der Materie, des 
Naturobjekts ist, kann uns jetzt nicht mehr beschäftigen und be- 
irren. Der Gegenstand der Naturerkenntnis besteht, von dem 
Standpunkt aus, den wir durch die bisherigen Entwicklungen 
erreicht haben — und einen anderen. dürfen wir nach den Forde- 
rungen der Methode nicht kennen — allein in Verhältnissen und 
Funktionen, die wir durch Proportionen zwischen Strecken 
anschaulich darzustellen haben. Der Frage, was er darüber hinaus 
noch sein möge, musste die Wissenschaft sich geflissentlich ent- 
ziehen, um nur überhaupt einen sichern Anfang und Ausgangspunkt 
ihrer Forschung finden zu können. Man kann sagen, dass Keplers 
aesthetisch- wissenschaftliche Tendenz der Auflösung des Welt- 
begriffs in den Harmoniebegriff hier ihre erste, allgemeine 
Begründung und philosophische Aufklärung gefunden hat. Wenn 
weiterhin die Ausdehnung von Descartes als Substanz bezeich- 
net wird, so braucht auch hierin zunächst keinerlei Abweichung 
von dem bisher eingehaltenen Wege gefunden zu werden. Da die 
Erkenntnis kein anderes Material, als Raumgrössen und ihre Ver- 
hältnisse kennt, so ist auch das Sein des Objekts in ihnen hinläng- 
lich bestimmt: sind doch Wahrheit und Sein Wechselbegriffe 
‘Ja verite etant une meme chose avec Vlötre).3) Dieser Sinn der 
‚Substantialität“ der Ausdehnung wird von Descartes beson- 
ders den sensualistischen Einwänden Gassendis gegenüber geltend 
gemacht. Wenn ihm hier entgegengehalten wird, dass sein Begriff 
des Raumes ein bloss mathematisches Gedankending sei und dass 
es daher eine falsche Hypostasierung bedeute, ihn unmittelbar 
in die Natur hineinzutragen, so gilt ihm dies als der „Einwand 
aller Einwände“. „Denn wenn wir auf ihn hören, so müssen wir 
folgerichtig alles, was wir wahrhaft verstehen und begreifen, aus 
keinem andern Grunde, als weil es ein Werk unserer Einsicht 
und unseres Verstandes ist, für die Darstellung der Wirklich- 
keit verwerfen. Jeder Weg zum Sein wäre somit verschlossen; 
es sei denn, dass wir an Stelle des klaren und deutlichen Begrifts
	        
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