Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

muß,  dessen  Schrecken  damals  der  Öffentlichkeit  zum  ersten  Male
enthüllt  wurden  *).
Die  Gruppe  der  „Christian-Socialists“,  mit  welchem  Namen
sie  von  da  an  bezeichnet  wurde *  2 ),  hatte  als  Progamm,  wie  schon
der  Name  ihrer  Vereinigung  zeigt,  die  Organisation  von  Arbeitergenossenschaften. ­
  In  welcher  Form?  Den  Berufsverband,  die  „tradeu
  n  i  o  n  s“  verwarf  sie.  Weshalb  ?  Vielleicht  Aveil  diese  Verbände  damals
nur  wenig  bekannt  waren  und  auch  keinen  besonders  anziehenden  Anblick ­
  boten,  da  sie  noch  an  den  ersten  Kinderkrankheiten  litten.
Zweifellos  aber  auch  deshalb,  weil  diese  Genossenschaften  sich  vorwiegend ­
  mit  ihren  Berufsinteressen  und  ihren  Lohnkämpfen  beschäftigten ­
  und  nicht  dazu  geeignet  schienen,  den  Geist  der  Opferwilligkeit ­
  und  Nächstenliebe  zu  entwickeln,  der  zur  Verwirklichung  des
christlichen  Sozialismus  unumgänglich  nötig  ist.  Ebensowenig  sagte
ihnen  aber  die  Konsumgenossenschaft  zu.  Trotz  des  frischen  Erfolges ­
  der  Pioniere  von  Rochdale  lehnten  sie  diese  Organisationsform
ebenfalls  ab,  sei  es,  weil  diese  Genossenschaft  als  von  dem  ausgesprochen ­
  religionsfeindlichen  Geiste  Owen’s  inspiriert  schien  (siehe
oben  Seite  269),  sei  es,  weil  ihr  einziges  Ziel  darin  bestand,  das
Leben  des  Arbeiters  billiger  und  angenehmer  zu  gestalten,  so  daß
sie  alles  in  allem  weiter  nichts  als  Krämerläden  (stores)  vorstellten,
die  den  „Christian-Socialists“  keine  wünschenswerte  Stätte  für  das
kommende  Reich  Gottes  zu  sein  schienen.  Sie  wendeten  sich  daher
der  Arbeiterproduktiv-Genossenschaft  zu,  ebenso  wie  es  übrigens  auch
die  ersten  katholischen  Sozialisten  getan  hatten.  Doch  waren  es
nicht  die  Anschauungen  Bücubz’,  den  sie  nicht  gekannt  zu  haben
scheinen,  die  sie  ihren  Bestrebungen  zugrunde  legten,  sondern  vielmehr ­
  die  assozialistische  Bewegung  von  1848,  die  schon  Stuart  Mill
in  ihren  Bann  gezogen  hatte  (siehe  oben  Seite  421).  Lddlow  befand
sich  damals  in  Paris  und  hatte  die  Produktivgenossenschaft  zur  Zeit

')  Im  folgenden  Jahr  hielt  Chahles  Kingsley  in  London  eine  Predigt,  die
einen  großen  Skandal  verursachte,  und  auf  der  Stelle  den  Widerspruch  der  Pfarrers
der  betreffenden  Parochie  hervorrief.  Kingsley  sagte  z.  B.;  „Jedes  soziale  System,
daß  die  Ansammlung  von  Kapital  in  einigen  wenigen  Händen  begünstigt,  das  die
Masse  vom  Boden  ausschließt,  den  ihre  Väter  bearbeitet  haben,  und  das  sie  zu
Tagelöhnern  und  Sklaven  herabwürdigt,  die  von  Lohn  und  Almosen  leben  ...  ist
dem  Reich  Gottes,  das  Christus  verkündigt  hat,  zuwider.“  Diese  Predigt  wurde
später  unter  dem  Titel:  Botschaft  der  Kirche  an  die  Arbeiter  veröffentlicht. ­

2 )  Maükice  sagte;  „Wenn  ihr  Christen  seid,  müßt  ihr  Sozialisten  sein“,  aber
in  seinem  Munde  hatte  das  Wort  Sozialist  nicht  die  Bedeutung,  die  es  seitdem
erhalten  hat,  was  dadurch  bewiesen  wird,  daß  Maubice  es  selbst  wie  folgt
definiert:  „Der  Wahlspruoh  des  Sozialisten  ist  Kooperation;  der  des  Anti-Sozialisten:
Rivalität.“
            
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