748
Posten und Postwesen.
schreibt Cicero, daß das Briefschreiben zwar eine schöne Sache sei, um sich mit seinen
entfernten Freunden zu unterhalten und zu oerständigen, das; man aber leider keine
Mittel besitze, um die Briefe an ihren Bestimmungsort gelangen zu lassen.
Der cursus publicus des Angustus war folgendermaßen organisiert: In den zahl
reichen Stationshäusern, die in Entfernungen von je einer Tagereise an den Straßen
lagen, standen oft bis 40 Pferde, Maultiere, Ochsen oder Esel, wohl auch leichte Fahrzeuge
und Packwagen für reisende Beamte, kaiserliche Kuriere, hochgestellte Bürger und Boten,
überhaupt für solche Personen bereit, welche kraft kaiserlicher Beglaubigung die Weiter
beförderung auf Staatskosten verlangen konnten. Zwischen den Hauptstationen lagen
5 bis 8 Umspannungsstationen. Die Stationen befanden sich meist an bewohnten Orten,
um für den Fall des Bedarfs Vorspann schnell heranziehen zu können. Diese Einrich
tungen beschränkten sich indes auf die großen Hauptstraßen. Auf Nebenstraßen waren die
Ortsbehörden verpflichtet, für die Fortschaffnng derjenigen Personen und Briefe Sorge
zu tragen, deren Beförderung durch kaiserliche Verfügungen angeordnet war. Von den
Nachfolgern des Angustus liegen viele, das Postwesen regelnde, oft bis ins kleinste gehende
Verordnungen vor, die sich namentlich auf die Benutzung der Posten, die Bespannung,
die zu befördernden Gegenstände, die Trinkgelder und die Postwagen, sowie auf Kuriere
und Briefboten beziehen. Wer die Post benutzen wollte, bedurfte dazu eines Diploms,
das entweder vom Kaiser selbst oder von einem das Postwcsen leitenden oder über
wachenden Präfekten ausgestellt wurde. Die Posten zerfielen in die gewöhnliche, mit
Ochsen, Maultieren oder Eseln bespannte Wagenpost, in die für Schnellreisende, Eil
güter und Briefe bestimmte Schnellpost und in die in dringenden Fällen gebrauchte
Kurierpost. Zur Beförderung der letzten beiden Postengattungen bediente man sich
ausschließlich der Pferde. Geld wurde sowohl mit der gewöhnlichen wie mit der Schnell
post befördert. Die Gestellung und Unterhaltung der Transportmittel ans den Stationen
war Sache der Gemeinden, denen daraus eine drückende Last erwuchs. Die Kaiser
Hadrian und Septimius Severus machten zwar Versuche, den Gemeinden einige Erleichte
rung zu verschaffen, indem sie die Übernahme eines Teils der Leistungen auf den Staat
verfügten. Diese Anordnungen fruchteten indes wenig und waren nur von vorüber-