785 Die Werttheorie
nend mit den wichtigsten. Die Zahlen innerhalb jeder Vertikal-
reihe bedeuten die Abnahme der Dringlichkeit eines Bedürfnisses
je nach dessen Befriedigung.
Aus der Tabelle geht unter anderem hervor, daß das kon-
krete Bedürfnis einer wichtigen Kategorie seiner Größe nach
geringer sein kann als das konkrete Bedürfnis einer weniger
wichtigen Kategorie, je nach dem Grad der Befriedigung. Die
„Sättigung‘“ in der vertikalen Reihe? kann die Größe des Be-
dürfnisses der ersten Reihe bis zu 3, 2 und 1 herabsetzen, wäh-
rend bei geringer Sättigung in der VI. Reihe die Größe dieses
abstrakt weniger wichtigen Bedürfnisses konkret durch
die Zahlen 4 und 5 ausgedrückt werden kann“.
Um nun zu entscheiden, welchem konkreten Bedürfnis ein
gewisses Gut entspricht (denn eben dies bestimmt seinen subjek-
tiven Nutzwert), muß man zusehen, „welches Bedürfnis um seine
Befriedigung käme, wenn man das zu schätzende Gut nicht hätte:
dieses Bedürfnis ist offenbar das abhängige“,
% Die Unterbrechungen in den vertikalen Reihen beziehen sich auf Be-
dürfnisse, bei denen nacheinander folgende Befriedigung in Teilen nicht ganz
oder überhaupt unmöglich ist (Böhm-Bawerk). Es ist an und für sich zu-
lässig, die Ununterbrochenheit der Funktionen der Nützlichkeit vorauszu-
setzen, da „das, was nur in bezug auf die ununterbrochenen Funktionen
richtig ist, auch als Annäherung bezüglich der Funktionen unterbrochenen
Charakters richtig ist.“ (N. Schaposchnikow, I. c. S. 9.)
‚Bei Walras finden wir einen mathematischen Ausdruck des gleichen
Gedankens, aber in einer objektivierten Form („Ungerade Preise“, abhängig
von dem Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot). Eine noch ausge-
arbeitetere objektivierte Formulierung der „Abnahme der Dringlichkeit“ eines
gegebenen Bedürfnisses in dem Maße seiner Befriedigung finden wir bei den
Amerikanern. Carver bezeichnet die Nützlichkeit als die Fähigkeit, Bedürfnisse
zu befriedigen, und den Wert als die Fähigkeit, ausgetauscht zu werden.
(„Utility is the power to satisfy a want or gratify a desire; but value is always
and only the power to command other desirable thing in peaceful and
voluntary exchanges” — S. 3); der Preis ist nach Carver der Ausdruck des
Wertes in Geld. Der Wert variiert je nach der Nützlichkeit (utility) und
relativer Seltenheit („scarcity‘“). Dabei spricht Carver von Bedürfnissen nicht
des wertschätzenden Individuums, sondern der Gesellschaft („wants of the
community“‘‘, S. 13). Das Gesetz der Sättigung heißt bei Carver principle of
„diminishing utility“, S. 15. Dabei rückt Carver den sozialen Ge-
sichtspunkt (stand-point) in den Vordergrund (S. 17). Die sinkende Nützlich-
keit wird als soziale Kategorie (S. 18) betrachtet. Die Volkswirtschaftslehre
des Rentners wird hier sichtbar in eine Volkswirtschaftslehre des Trust-Orga-
nisators verwandelt.
5 „Die Größe des Bedürfniswertes... hängt von der Art des Bedürfnisses,
sie hängt aber innerhalb der einzelnen Art wieder von dem jeweils erreichten
Grade der Sättigung ab“, Wieser 1. c. 6).
31 Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 27.