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zu machen. Mit der Besteuerung des Massenkonsums aber steht und
fällt das ganze Oktroisytem.
Treten wir aus dem Rahmen dieser kritischen Detailhetrachtungen
heraus und richten unseren Blick auf das Ganze, so gilt es Antwort
zu geben auf die Frage, ob der dazio consumo abgeschafft werden
soll oder nicht. Was die Yerbrauchsbesteuerung als Einnahmequelle
für die italienischen Gemeinden, insbesondere für die größeren Städte
bedeutet, bedarf keiner weiteren Ausführung mehr. Ist doch vielfach
die ganze Finanzwirtschaft des lokalen Gemeinwesens gleichsam in
ihr verankert. Es muß allerdings zugegeben werden, daß dem Oktroi,
wie allen indirekten Aufwandsteuern mehr oder weniger, große Mängel
anhaften, die sich in ihren Wirkungen namentlich in einer relativen
Überlastung der unteren Klassen geltend machen. Es ist daher die
Frage aufzuwerfen, ob man den dazio consumo ohne weiteres durch
andere Einnahmequellen, die dem Gerechtigkeitsgesichtspunkte besser
entsprechen, zu ersetzen vermag. Diese Frage müssen wir verneinen.
Bei nüchterner, vom Doktrinarismus ungetrübter Betrachtung muß
man in richtiger Würdigung der realen Verhältnisse den dazio
consumo als ein zurzeit durchaus unentbehrliches Glied im System
der italienischen Gemeindesteuern ansehen. Nicht um gänzliche Ab
schaffung, sondern um teilweise, oder um bessere technische Durch
führung desselben kann es sich handeln. In der Tat, diejenigen, die
für eine radikale Abschaffung des Oktroi in Italien eintreten, stehen
vereinsamt. Selbst von sozialistischer Seite sträubt man sich gegen
den Gedanken, jener so verpönten Steuer plötzlich den Todesstoß zu
geben 2 ). Auch die Geschichte der Beformbestrebungen lehrt das: an
der Macht der Tatsachen zerschlug sich bisher in Italien, wie in
Frankreich, jeder auf ihre radikale Abschaffung gerichtete Ansturm.
Zwar fegte in Italien eine Flutwelle gärender Yolksströmung den
viel gehaßten Mehl- und Brotoktroi hinweg, allein die Hauptpfeiler
des Oktroigebäudes sind geblieben.
Wie sollte der durch die Aufgabe der Yerbrauchsbesteuerung
entstehende Ausfall anders gedeckt werden als durch direkte Steuern,
da an eine Einschränkung der Ausgaben kaum zu denken ist? Es
wäre aber höchst bedenklich, die schon an sich außerordentlich hohe
Last der direkten Steuern noch beträchtlich zu steigern, sei es durch
erhebliche Erhöhung der bestehenden Steuern, sei es durch Ein-
*) Wie Bonomi.