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Italien (Kreditwesen,
den höchsten Ertrag liefert die Lombardei.
Die Abgabe vom Mobiliarbesitz ist eine
Nachahmung der englischen Income tax
und im eigentlichen Sinn eine Einkom
mensteuer. Die Mahlsteuer wurde 1869
eingeführt; sie wird geschätzt nach den Um
drehungen der Mühlräder. Das Tabaks
monopol ist an eine Gesellschaft verpachtet.
Die Staatsschuld betrug I860:
1950 Mill. Mk.; innerhalb zehn Jahren
war dieselbe auf 6629 Mill. Mk. ange
wachsen. Neuerdings stieg sie bis ans 8
Milliarden. Während 1861 die Kosteil
der öffentlichen Schuld nur 19,i Proz. des
Staatseinkommens ausmachten, betrugen
dieselben 1880 schon 31,4 Proz. Am I.
Jan. 1880 waren die Hanptposten fol
gende (in Millionen Mark):
Konsolidierte Schuld 314,o
Ewiae Rente des päpstlichen Stuhls . 2,5
Besonders eingetragene Schuld . . . 30,a
Verschiedene Schulden 36,8
Schwebende Schuld 11,4
Die besonders eingetragene Schuld besteht
aus den übernommenen Schulden von
Sardinien, Toscana, Lombardei und Ve-
netien, Modena, Parma, Rom imb der
zum großen Teil aus Eisenbahnanleihen
bestehenden Schuld des Königreichs I.
Für die Amortisation waren 1880: 4,7
Mill. Mk. ausgesetzt. Unter der schweben
den Schuld figurieren für 6,9 Mill. Mk.
Schatzscheine, wozu noch die Bankbillete
der Italienischen Nationalbank (s. unten)
kommen. Nach den Gesetzen von 1866 und
1867 wurden 52,192 Kirchengüter mit
einem Kapitalwert von 636',8 Mill. Mk.
eingezogen, welche ein Jahreserträgnis von
24,7 Mill. Mk. geliefert hatten. Nur 15,675
dieser Güter mit 12,1 Mill. Mk. Ertrag
wurden nicht veräußert. Wirklich gelöst
wurden 31. Dez. 1876: 340,7 Mill. Mk.
— Die Provinzial- und Gemeinde
schulden betrugen 31. Dez. 1877: die
cistern 40,9 Mill., die letzter» 565,6 Mill.
Mk. Am stärksten waren belastet: Flo
renz, das 1878 mit 116 Mill. Mk. Schul
den seine Zahlungen einstellte, Neapel
(1876) mit 55,7, Mailand mit 46,6, Rom
mit 33.9, Genua mit 23,1 Mill. Mk. rc.
Kreditwesen. Es bestanden 1879:
102Banken, darunter 7 fürNotenans-
Geld, Maße, Gewichte).
gäbe, ferner 221 Kreditinstitute und
Volksbanken. — Ende 1879 war der
Stand der Staatsbank und der sechs zur
Emission berechtigten Banken folgender:
Notenumlauf 1395,3 M. Alk., Geschäfts-
nmsatz1689.6Mill.Mf. Die Nationalbank
des Königreichs (Kapital: 160 Mill.Mk )
steht unter staatlicher Kontrolle. Die No
ten bestehen in Stücken zu 1, 2, 5,10,20,
25. 40, 50,100, 250, 500 und 1000 Lire.
Mit den andern obengenannten Banken
wurde sie 1874 zu einem Konsortium ver
einigt, welches dem Staat 1000 Mill. Lire
Noten (Konsortialnoten) zu liefern hat.
Für diese Noten herrscht Zwangsumlanf.
Außerdem dürfen die Banken eigne Noten
emittieren, deren Betrag nach Dekret vom
Dezember 1874: 575Mill.Mk.nicht über
steigen soll. Danach dürfen auch Kon-
sortialnoten zu 50 Centesimi ausgegeben
werden. Doch verpflichtete sich I. durch
Vertrag vom 5. Nov. 1878, abgcschlos
sen zwischen den Staaten der lateinischen
Münzkonvention, seine auf weniger als
5 Lire lautenden Noten aus dem llmlanf
zu ziehen. Außer den sieben Bankinstitu
ten emittieren die VolksbankenScheine; sic
dürfen für 24 Mill. Mk. anfertigen lassen
und davon für 18 Mill. Mk. ausgeben.
Von den Noten der agrarischen Banken
dürfen für 3,3 Mill. Mk. ausgegeben wer-
den. — Von Aktiengesellschaften be
standen 1878: 560 italienische Gesellschaf
ten mit 1182 Mill. Mk. und 55 auslän
dische mit 403 Mill. Mk. Kapital. — Die
Zahl derS parkassen Ende 1879 war 358
mit einem eingezahlten Kapital von 545,4
Mill. Mk. Im Jahr 1876 wurden die
Postsparkassen errichtet, von denen cS
Ende 1879 bereits 3259 gab. Die An
zahl der Sparkassenbücher betrug 238,240
mit einem Guthaben ron 20,5 Mill. Mk.,
dazn221Volkssparbanken und deren Agen
turen mit 158,740 Eiilkegern und 125,9
Mill. Mk. Einlagen, so daß sich die Zahl der
Sparkässcnanstalten auf 3838, dieSnmme
der Einlagen auf 671,9 Mill. Mk. belief.
Geld, Maße und Gewichte. I. ge
hört zum lateinischen Münzbund (s-
Frankreich, S. 202); die Lira ist gleich
dem französischen Frank. Die Maße intb
Gewichte sind die französischen metrischen.