Full text : Grundlinien unserer Handelspolitik

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III;  Südfrüchte;  IV:  Zucker;  V;  Tabak;  VI:  Getreide  usw.;  VII;  Obst,
Gemüse,  Pflanzen  und  Pflanzenteile;  VIII:  Schlacht-  und  Zugvieh  usw.
Einfuhrverbote  und  -beschränkungen  werde,:  von  den  Regierungen ­
  aus  Gründen  der  Sanitäts-  und  Sicherheitspflege,  sowie  aus  öffentlichen ­
  Rücksichten  erlassen.  Ein  solches  Verbot  trifft  Gegenstände  der  Staatsmonopole ­
  Oesterreichs  und  Ungarns.  So  ist  Tabak  nicht  bloß  mit
einem  ziemlich  hohen  Zoll  belegt,  sondern  darf  überhaupt  nur  gegen  besondere
Bewilligung  eingeführt  werden.  Außerdem  bestehen  solche  Beschränkungen
bezüglich  der  Einfuhr  von  Giften,  künstlichen  Süßstoffen  (Saccharin),  Arzneien,
Waffen  und  Sprengmitteln  usw.  Die  Ein-  und  Durchfuhr  von  Haustieren ­
  und  tierischen  Rohstoffen  ist  an  eine  besondere  Bewilligung ­
  des  Ackerbauministeriums  gebunden.
Unsere  Handelsverträge.
Oesterreich-Ungarn  hat  seine  Handelsbeziehungen  mit  den  Nachbarstaaten,
aber  auch  mit  zahlreichen  anderen  Staaten,  durch  Verträge  geregelt.  So  bestehen ­
  Tarifverträge  u.  a.  mit  Deutschland,  Frankreich,  Italien,  Rußland,
Belgien,  Rumänien,  Schweiz,  Serbien.  Mit  den  meisten  anderen  Staaten
sind  bloß  Meistbegünstigungsverträge  abgeschlossen  worden.  So  ziemlich
alle  diese  Verträge  enden  im  Jahre  1917,  so  daß  bis  dorthin  unsere
Handelsbeziehungen  vollständig  neu  geregelt  werden  müssen.  Mehrere  Verträge ­
  haben  sich  bereits  jetzt  als  nicht  in  jedem  Punkte  zutreffend  erwiesen,
bedürfen  daher  einer  Umarbeitung.
Unsere  wichtigsten  Handclsgebiete.
Bon  alter  Zeit  her  ist  an  unserem  Ein-  und  Ausfuhrhandel  das  benachbarte
DeutscheReich  überaus  stark  beteiligt.  Noch  im  Jahre  1903,  also  vor
einem  Jahrzehnt,  ging  mehr  als  die  Hälfte  unserer  ganzen  Ausfuhr  (51  -2
Perzent)  nach  dem  Deutschen  Reiche.  Seitdem  hat  sich  hier  eine  Verschiebung
vollzogen.  1910  gingen  nur  mehr  43-9  Perzent  unserer  Ausfuhr  nach  Deutschland. ­
  Umgekehrt  ist  aber  der  Anteil  des  Deutschen  Reiches  an  unserer  Einfuhr
ununterbrochen  im  Steigen  begriffen.  1903  lieferte  das  Deutsche  Reich  37-2
Perzent,  1910schon  40-5  Perzent  unserer  gesamten  Einfuhr.  Die  Bilanz^)  unseres
0  Unter  Handelsbilanz  versteht  man  das  Verhältnis  zwischen  dem  Werte
der  Einfuhr  und  dem  der  Ausfuhr.  Ist  letztere  größer,  dann  spricht  man  von  einer
aktiven,  sonst  von  einer  passiven  Handelsbilanz.  Seit  einigen  Jahren  ist  unsere
Handelsbilanz  in  steigendem  Maße  passiv.  Das  hängt  zusammen  mit  der  Industrialisierung, ­
  die  einen  erhöhten  Bedarf  an  Rohstoffen  und  erfahrungsgemäß  auch  im  Jnlande
nicht  genügend  erzeugten  Fabrikaten  mit  sich  bringt,  andererseits  die  früher  ausgeführten
überschüssigen  landwirtschaftlichen  Produkte  im  Jnlande  selbst  verbraucht.  Passive  Handelsbilanz ­
  bedeütet  noch  lange  nicht,  daß  die  betreffende  Volkswirtschaft  passiv  ist,  also  allmählich ­
  zugrunde  gehen  muß.  Maßgebend  ist  hier  die  Z  ah  l  u  n  g  s  b  j  l  a  n  z,  d.  h.  das
Verhältnis  der  Werte  (Waren,  Schuldzinsen,  Fremdenverkehr,  Geldsendungen  usw.),  die
wir  vom  Auslande  bekommen  und  an  dasselbe  bezahlen  müssen.  UnsereZahlungsbilanz
  ist  aktiv!  Uebrigens  fällt  ein  sehr  großer  Teil  unseres  Handelspassivums
dem  Handel  mit  Deutschland  zu  Lasten,  so  daß  hier  begründete  Hoffnung  besteht,  durch
entsprechende  Maßregeln  besser  eingreifen  zu  können.  Deutschland  selbst  und  ebenso
Engiand  haben  gleichfalls  sehr  passive  Handelsbilanzen.
            
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