fullscreen: Der historische Materialismus

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Dieser gebieterische und spontane Charakter ist speziell 
der Ethik, der Sittenlehre eigen. Kein anderes Gebiet des 
Geistes hat ihn, weder die Naturwissenschaft, noch das 
Recht, noch die Politik, noch die Religion, noch die Philo— 
sophie, die alle erlernt werden und auch anders sein 
könnten. 
Man hat versucht, das Sittengesetz aus der Erfahrung 
des Individuums selbst, aus seiner Erziehung, seinen Ge— 
wohnheiten, seinem Streben nach Glück, aus einem raffi— 
nierten Eigennutz oder aus Sympathie für andere abzu— 
leiten. Aber auf diese Weisé ist es weder gelungen, 
den Ursprung des Gebieterischen in der Stimme, 
die uns zur Nächstenliebe ruft, noch jenes Wunderbare zu 
erklären, daß der Mensch, um die Existenz anderer zu ret— 
ten, seine eigene wegwirft. 
Da man also die Moral nicht aus der Wirklichkeit 
ableiten konnte, blieb nichts übrig als der gewöhnliche Zu— 
fluchtsort der Unwissenheit: die Religion. Da die Sut— 
lichkeit nicht aus dem irdischen Leben exklärt werden konnte, 
mußte ihr Ursprung im Uebernatürlichen liegen. Gott hat 
dem Menschen den Sinn für das Gute, den Begriff des 
Guten, anerschaffen; das Böse stammte aus des Menschen 
fleischlicher Natur, aus der stofflichen Welt, aus der 
Sünde 
Die Unverständlichkeit des Ursprungs des Guten und 
Bösen“ ist eine der Ursachen der Religkon. Bie Philoso— 
phen Plato und Kant haben darauf eine übernatürliche 
Welt aufgebaut. Und auch jetzt noch, wo die Natur so viel 
besser verstanden wird, wo das Wesen der Gesellschaft für 
die Menschen so viel klarer zutage liegt, auch jetzt ist noch 
immer die Sittlichkeit, der Drang nach „dem Guten“, die 
Abneigung von „dem Bösen“ für viele Menschen noch 
etwas so Wunderbares, daß sie es nur mit Hilfe einer 
Gottheit“ erklären können Wie viele moderne Menschen 
gibt es nicht, die für eine Erklärung der Naturerscheinun— 
zgen oder der Geschichte keinen Gott mehr brauchen, — die 
aber für die „Befriedigung ihrer ethischen Bedürfnisse“ 
einen nötig zu haben behaupten. Und sie haben recht, sie 
berstehen weder Ursprung noch Wesen der großen sittlichen 
Gebote, und was man nicht versteht und doch für das Aller— 
höchste hält, das vergöttlicht man 
Und doch sind die höchsten sittlichen Gebote seit einem 
halben Jahrhundert in ihrem Wesen und ihrer Wirkung 
erklärt. Zwei Forschern ist dies zu verdanken: der eine 
hat den Menschen in seinem tierischen Dasein, der andere
	        
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