Full text : Ernährungswirtschaftliche Gegenwartsprobleme in Österreich

Ländesbehördeii  verschweißt  hat,  ist  die  staatliche  Verivaltimg  jedenfalls
etwas  struppiert  worden,  und  nian  kann  sagen:  Auf  einer»  Gebiete,
nämlich  aus  dem  Gebiete  der  staatlichen  Verwaltung,  ist  der  „Abbau"
bereits  ziemlich  lückenlos,  wenn  auch  nicht  gerade  glücklich  durchgefübrt
worden.
Es  frügt  sich  somit,  ob,  wenn  die  Regierung  die  staatliche
Bewirtschaftung  aufheben  würde,  dies  die  Freiheit  des  Verkehres
bedeuten  würde.  Die  Maßnahmen  der  Länder  ans  dem  Gebiete  des
Geniüse-  und  Obstverkehres  sowie  des  Verkehres  mit  Rauhfutter,  der
von  der  Staatsregiernng  freigegeben  wurde,  beantworten  die  Frage
selbst.  Überflüssig  von  den  „Einreisebewilligungen"  zu  sprechen.
Die  Entstaatlichung  der  öffentliche»  Bewirtschaftung  hätte  unzweifelhaft ­
  die  V  erländern  »g  zur  Folge,  daS  heißt,  jedes  Land  würde
die  zentrale  Bewirtschaftung  innerhalb  seines  Gebietes  einführen,  wie
dies  ja  vielfach  schon  eingetreten  ist.  Wenn  aber  zwischen  einem
staatlichen  Übel  und  einem  mit  7  multiplizierten  verländerten  Übel
zu  wählen  ist,  dürfte  die  Wahl  doch  wohl  zu  Gunsten  des  Ersteren
fallen.
Es  ist  ja  leider  nicht  so  unbegreiflich,  daß  die.Länder  eine  solche
Haltung  beobachten.  Es  ist  dies  wieder  in  der  unglücklichen  Gestaltung
begründet,  die  der  Friedensvertrag  unserem  Staate  gegeben  hat.  Der
Stadt  Wien  mit  2'/;  Millionen  Einwohnern  stehen  etwa  4'/,  Millionen
Einwohner  gegenüber,  die  selbst  nur  knapp,  zum  Teile  gar  nicht  versorgt ­
  sind.  Es  ist  begreiflich,  daß  die  Länder,  die  Wien  ja  nie  erhalten
konnten,  eine  förmliche  Angst  haben,  daß  sic  von  dieser  Millionenstadt
ansgesaugt  werden,  daß  sie,  wenn  die  volle  Freiheit  des  Verkehres
wirksam  würde,  überflutet  würden  von  Millionen  hungrigen  Städtern
und  dann  nicht  nur  selbst  in  Not  gestürzt  würden,  sondern  auch  von
der  Teuerung  der  Großstadt  und  Entwertung  der.Krone,  die  in  Wien
ant  meisten  gesunken  ist,  mitgerisseu  würden.  Ans  diesem  Grunde  haben
sich  die  Länder  zum  Beispiel  einstimmig  gegen  die  Freigabe  des  Viehverkehres
  ausgesprochen.  Man  muß  also  gerecht  sein  und  verstehen,
daß  sich  die  Länder  gegen  die  Freigabe  der  Wirtschaft  wehren  —
dies  ist  aber  zugleich  ein  gewichtiges  Argument  gegen  die  Preisgabe
der  zentralen  Wirtschaft  seitens  der  Zentralrcgierung,  denn  die  Freigabe
würde  die  Absperrung  der  Länder  nur  verschärfen  und  würde  unser
Verhältnis  zu  den  Ländern  nur  verschlechtern.  Andererseits  müssen  aber
auch  die  Länder  die  schwierige  Lage,  in  der  sich  Wien  befindet,  verstehen ­
  und  in  ihren,  den  momentanen  Bedürfnissen  der  Not  entspringenden
            
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