Full text: Ernährungswirtschaftliche Gegenwartsprobleme in Österreich

weitere Entwertung der Krone und weitere Verteuerung des Einkaufes 
und daher weitere Belastung des Staates — also Schraube ohne 
Ende. Ich kann dem unmöglich widersprechen und doch scheint es mir, 
je mehr ich darüber nachdenke, immer zweifelhafter, ob cs überhaupt 
möglich sein wird, bei dem jetzigen Kursstände der Krone, voraus' 
gefetzt, daß wir bei solchen Kursen überhaupt noch einkaufen können, 
die Lebensmittelpreisc zum vollen Einkaufspreise abzugeben, das heißt 
die Einfuhrsparität ganz im Preise zum Ausdruck zu bringen. 
Nicht nur, daß es fraglich ist, ob die Lohnskalen das volle 
Äquivalent für die weiteren Steigerungen der Lebensmittel bieten 
können, nicht nur daß ein großer Teil des Mittelstandes unvermeidlich 
ins Elend gestürzt würde, so untergrabt die volle Anpassung der 
Lebensmittelpreise und iu weiterer Folge der Löhne an die Parität 
tinsere Exportmöglichkeiten, die in unseren billigeren Herstellungskosten 
gelegen sind. Tiefe Exportprämie, die in unserem Kronenunwerte 
gelegen ist, wird vernichtet und dadurch die letzte Möglichkeit einer 
Hebung des Geldwertes. Indem wir der Scylla zu entgehen versuchen, 
geraten wir in den Wirbel der Charybdis. 
Wenn es auch unzweifelhaft richtig ist, daß der Staat bei 
Lebensmittelimporte», die au und für sich unproduktiv find, keine Ver 
luste erleiden soll, scheint mir aus dein angeführten Grunde die volle 
Preisüberwälzung bei den eingeführten Lebensniitteln, mindestens bei 
den wichtigsten Nahrungsmitteln, sehr bedenklich. Meiner Meinung nach 
kann auf die Gewährung gewisser staatlicher Zuschüsse, insbesondere 
bei Mehl und Brot, nicht ganz verzichtet ivcrden, Zuschüsse also, 
insolange es nicht in erster Linie durch Erlangung von Krediten und 
Exporte gelingt, den Geldwert im Auslande so zu heben, daß die 
Preise halbwegs erträglich werden. Diese Zuschüsse könnten ^auf dein 
Wege von Steuern hereingebracht werden, bic- so zu veranlagen wären, 
daß"sic nicht wie die Lebensmittelpreise die bedrängtesten Schichten 
der Bevölkerung am grausamsten treffen. 
Ich bin am Schlüße. Ich habe nur einen kleine)! Ausschnitt aus 
den verwickelten und oft verzweifelten Problemen gegeben, denen die 
Ernährnngswirtschaft gegenübersteht. Nicht an gutem Willen fehlt er-, 
trotz alter Schwierigkeiten eine Lösung anzubahnen. Eine andere Frage 
ist, ob die Lösung in diesem Staate, der in seiner gegenwärtigen 
Form, schon was das nackte Leben anlangt, auf Hilfe und Mitleid 
des Auslandes angewiesen ist, gelingen kann.
	        
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