Contents: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

des. Weltmarktes in den verschiedenen KEisenfabrikaten 
war es verständlich, daß der Eisenwirtschaftsbund im 
April 1921 seine Tätigkeit einstellte. Im jüngster Ver- 
gangenheit ist von gewerkschaiftlicher Seite erneut die 
Forderung nach Wiedereinsetzung eines Eisenwirtschafts- 
yundes erhoben worden. Diesen Stimmen gegenüber be- 
schränke ich mich auf den. Hinweis, daß die Eisenver- 
braucher auf der Tagung des Vereins Deut- 
scher Maschinenbauanstalten im Juni 1929 
durch. den Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschafit der 
egisenverarbeitenden Industrie eindeutig und in Ueber- 
einstimmung mit den, Auffassungen .der KEisenerzeuger 
gegen einen neuen, Eisenwirtschaftsbund Stellung ge- 
hommen haben. ; 
Auch in der Elektrizitätswirtschaft ist es 
zu praktischer Arbeit eines ins Auge gefaßten Selbst- 
verwaltungskörpers nicht gekommen. Dies gibt um so 
mehr zu denken, als die ‚Elektrizitätserzeugung bekannt- 
lich zu rund 85% in Händen. der öffentlichen Hand liegt 
und ihre Bewirtschaftung nach streng privatkapitalistischen 
Grundsätzen erfolgt. Angesichts der Schwierigkeiten man- 
cher — besonders technischer — Probleme in der. Elek- 
trizitätswirtschaft dürfte auch von dieser Seite der 
schroffste Widerstand gegen etwaige Bestrebungen auf 
Errichtung eines Selbstverwaltungskörpers zu erwarten 
sein. Da dieser: Wirtschaitszweig sich im Besitz der 
Allgemeinheit befindet, sind es also nicht privatkapitali- 
stische Motive, die. diesen Widerstand hervorrufen, son- 
dern die Unmöglichkeit einer praktischen Arbeit mit Hilfe 
aines: Selbstverwaltungskörpers bei einmal gegebenen 
schwierigen Produktions- oder Absatzbedingungen, 
Der Gedanke der Wirtschaftsdemokratie beruht eben 
auf. der falschen Voraussetzung, daß der Wirtschafts- 
vorgang. als solcher sich als derart schablonisiert und ver- 
einfacht darstelle, daß jeder Laie in der Lage sei. Wirt- 
schaftsentscheidungen von größter Tragweite zu treffen. 
Es wird verkannt, daß der Leitung der Betriebe durch die 
notwendige Beherrschung ud Zusammenfassung der Teil- 
verrichtungen nicht geringere, sondern eher verantwor- 
tungsvollere Aufgaben zufallen. 
Durch Kompromisse der Entscheidungen läßt sich 
die Schaffenskraft des Unternehmers nicht er- 
setzen, am wenigsten dort, wo die Produktions- 
und Absatzverhältnisse kompliziert sind. 
bh
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.