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Schiffsbaumaterialien (Eisen, Stahl, Holz usw.) aus dem Auslande
beziehen mußte.
Mit dem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufblühen-
den Schiffbau fanden auch die Hilfsgewerbe neue Aufnahme; so
die Tauschlägereien , die nun zwar meist mit ausländischem
Hanf arbeiteten. Noch 1874 gab es in den Niederlanden 311 Tau-
schlägereien. Dann ging mit dem Verfall der Segelschiffahrt und
dem Ersatz der Hanftaue durch stählerne Kabel diese Industrie
zurück, auch erfolgte eine Konzentration in größeren Betrieben,
die mit Maschinenkraft arbeiteten!). Großen Veränderungen unter-
lag ferner die Holzzufuhr und der Holzhandel, soweit
er dem Schiffbau diente. So stark sich die Zufuhr von Holz, aller-
dings vielfach nur als Durchfuhrgut, vermehrte, so spielte doch das
eigentliche Schiffbauholz jetzt nicht mehr die Rolle, wenigstens
nicht, seitdem der Bau von Segelschiffen, insbesondere von hölzernen,
immer mehr zurückging. Rheinabwärts kamen früher meist Eichen-
stämme und Tannen, später fast nur noch leichtes Nadelholz; und
nicht mehr Dordrecht, das seinen Holzstapel eingebüßt hatte, war
jetzt das Ziel dieser Holzflotten, sondern Amsterdam und Rotter-
dam; Amsterdam erhielt einen umfassenden Holzhafen. Für den
Schiffbau kam sonst in Betracht das aus Indien bezogene Teak -
holz (Djati), das wegen seiner Härte und Dauerhaftigkeit sich
ausgezeichnet für die innere Schiffsausstattung eignete; die Haupt-
ausfuhr ging nach England und den Niederlanden. Die frühere
Zufuhr von ungesägtem Holz, das in den Niederlanden bearbeitet
wurde, nahm stark ab; die noch vorhandenen zahlreichen Holzsäge-
reien arbeiteten meist für binnenländischen Bedarf. An die Stelle
des Schiffbauholzes, das zwar noch immer eingeführt wurde, aber
doch in weit geringeren Mengen, traten nun Stahl und Eisen. —
Zu den Industrien, die erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahr-
hunderts sich zu neuer Blüte erhoben, gehörte die Taba kindu-
strie. Nur langsam erholte sie sich nach 1813. Am schnellsten
scheint siein Rotterdam wieder aufgeblüht zu Sein; 1816
gab es hier 7 Tabakfabriken mit 1200 Arbeitern?). Als sich
später Niederl.-Indien zu einem der ersten Produktionsgebiete
für Tabak entwickelte, und der Sumatra-Tabak für die empor-
l) Everwijn, I, ©. 362 If.
2) Sneller, De toestand, S. 141.
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