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kommende Zigarrenfabrikation die vortrefflichsten Deckblätter
lieferte, nahm auch die einheimische Fabrikation wieder einen
schnellen Aufschwung, der Hand in Hand ging mit dem blühen-
den Ein- und Ausfuhrhandel in Rohtabak. Für Java-, Sumatra-
und Borneo-Tabak wurden nun die niederländischen Häfen die be-
vorzugten Einfuhrplätze. Von 50 Packen Sumatra-Tabak im Werte
von 4000 fl., die zuerst 1864 eingeführt wurden‘), stieg diese Ein-
fuhr 1909 auf 273 725 Packen im Werte von 34% Mill. fl., die Ein-
fuhr von Javatabak in denselben Jahren von 89 331 auf 303 391
Packen im Werte von ı9!/, Mill. fl. Auf die Industrie übte diese
und die sonstige Tabakeinfuhr natürlich einen großen Einfluß. Zu
der früher vornehmlich betriebenen Fabrikation von Rauch- und
Schnupftabaken trat 1826 die erste Zigarrenfabrik; sie wurde in
Kampen errichtet, nachdem schon 1788 eine solche Fabrik in Hamburg
begründet worden war?). Allmählich stellte diese Fabrikation die der
anderen Tabaksorten, nämlich des Schnupftabaks, die ehemals
namentlich in Eindhoven und Zaandam betrieben wurde, völlig in
Schatten. Auch die Tabakschneiderei, von der es früher viele Fa-
briken gab, die den Rauchtabak gebrauchsfähig machten, nahm
nun reißend ab; oft verband man sie mit der Kaffeebrennerei oder
dem Kaffee- und Teehandel. Die Zigarrenfabrikation verbreitete
sich schnell über das ganze Land: ihre Erzeugnisse entsprachen
allen Ansprüchen an Qualität von der geringwertigsten bis zur
teuersten Zigarre. In erster Linie diente sie dem inneren, überaus
verbreiteten Verbrauch; um 1910 kamen auf den Kopf 2,6—3 kg
Tabak; in Deutschland 1,9 kg?). Die Ausfuhr war bedeutend,
hielt sich aber stets ziemlich auf derselben Höhe, 'da diese Fabri-
kation überall betrieben und oft durch Monopole geschützt wurde.
Die einst so berühmte Pfeifenindustrie wurde stark
beschränkt durch den steigenden Zigarrengenuß*). Erhalten hat
sie sich aber auch im 19. Jahrhundert; 1912 gab es in Gouda noch
) Vgl. Weigand, Tabakbau in Nied.-Indien usw., S. 5 f.
?) Nach Nemnich,1S. 132, fabrizierte man in Amsterdam Zigarren
seit etwa 1805; das erscheint wahrscheinlicher als die obige, Ev erwigjn, N,
791, entnommene Nachricht. Schon Hogendorp, IV, 241 (1820), schrieb:
die Zigarren verdrängten die Pfeifen.
3YEverwijn, 11,796;
‘Hogendorp, I, 9;
Baasch, Holländische Wirtschaftsgeschichte,
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