Full text : Zur wirtschaftlichen Förderung des Handwerks

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Diese  Zahlen  zeigen  die  große  Bedeutung  der
E  i  g  e  n  e  r  z  e  u  g  u  n  g  der  Konsumvereine,  die  vor  allem
dem  selbständigen  Bäckergewerbe  gefährlich  wird.
Die  hohen  Gewinne  sind  natürlich  ein  großes
Lockmittel  für  die  Verbraucher.  Die  Konsumvereine
verfügen  über  Angestelltenheere.  Neuerdings  wenden ­
  sie  ihre  Aufmerksamkeit  besonders  auch  dem
Sparkassenwesen  und  der  Sterbeunterstützung  zu,
wodurch  begreiflicherweise  die  Versuchung,  einem
Konsumverein  beizutreten,  noch  größer  wird.  Die
pandwerker  und  Kleingewerbetreibenden  sind  in
unserm  Bezirk  in  den  Konsumvereinen  erfreulicherweise ­
  nicht  so  zahlreich  vertreten,  wie  das  angeblich ­
  anderwärts  der  Fall  ist.  Zn  manchen  Gebieten
sind  in  den  letzten  Zähren  sogar  viele  pandwerker
aus  den  Konsumvereinen  ausgetreten.  Das  ist  nicht
zuletzt  auf  die  Erstarkung  des  Znnungsgedankens
zurückzuführen.  Es  ist  gar  nicht  zu  leugnen,  daß
die  Pflege  des  Gemeinschaftsgeistes  und  des  Standesbewußtseins ­
  durch  die  Znnungen  auch  in  dieser
Pinsicht  gute  Früchte  gezeitigt  hat.
Über  die  Beamtenkonsumvereine  ist  nicht  viel
zu  sagen,  lvir  verweisen  auf  den  Beamtenkonsumverein ­
  zu  Düsseldorf,  der  aber  keine  allzugroße
Bedeutung  hat.  Er  hat  heute  eine  Mitgliederzahl
von  411  Personen  und  im  letzten  Berichtsjahre
86  000  Mk.  Umsatz  erzielt.  Der  Reingewinn  war
etwas  über  4000  Mark.
Gegen  die  zunehmende  Schädigung  der  Kleingewerbetreibenden ­
  durch  die  Ausbreitung  der  Konsumvereine ­
  hat  man  sich  vielfach  durch  Maßnahmen
der  Selbsthilfe  zu  wehren  gesucht.  Zn  den  Städten
und  teilweise  auf  dem  Lande  schließen  sich  die
Gewerbetreibenden  zu  sogenannten  Rabattsparvereinen ­
  zusammen,  um  die  Abnehmer  durch  die
Gewährung  von  Rabattmarken  festzuhalten.  Sie
sagen  sich,  die  Rückvergütungen  der  Konsumvereine
locken  die  Abnehmer  am  meisten;  ohne  sie  sind  die
Konsumvereine  nicht  lebensfähig.  Die  waren  und
Erzeugnisse  verkaufen  sie  nämlich  nicht  billiger  und
sehr  oft  auch  nicht  besser  als  die  Kleinhändler  und
pandwerker.  Zudem  haben  die  Konsumgenossenschaften ­
  auch  ziemlich  große  verwaltungskosten  zu
bestreiten,  die  auf  den  Warenpreis  geschlagen
werden  müssen.  Zedoch  haben  sich  die  Rabattsparvereine ­
  noch  kaum  besonders  stark  ausgebreitet.
Es  sind  jedenfalls  große  Schwierigkeiten  zu  überwinden. ­

  Da,  wo  die  Rabattsparvereine  gegründet
worden  sind,  will  man  Erfolge  festgestellt  haben;
wenigstens  soll  die  Bewegung  der  Konsumgenossenschaften ­
  in  etwa  hierdurch  aufgehalten  worden  sein.
Zn  den  größeren  Städten  vermag  man  der  Rabattsparvereinsbewegung ­
  noch  keinen  großen  wert
beizumessen;  das  Vorurteil  des  Publikums  zieht
die  Konsumvereinsdividende  der  Rabattmarke  entschieden ­
  vor.  Diese  Erfahrungen  haben  auch
manchen  pandwerker  bestimmt,  gegen  jedweden
Rabatt  Stellung  zu  nehmen.  Sie  fordern  sogar
gesetzliches  verbot  der  Rabatte,  damit  sich  zeigt,
daß  jedes  reelle  Geschäft  gute  waren  zu  gleich
billigen  preisen  verkaufen  kann  wie  die  Konsumvereine.
  Um  das  Lieferantengeschäft  zu  bekämpfen,
hat  man  mancherseits  empfohlen,  die  Lieferanten
der  Konsumgenossenschaften  zu  boykottieren,  von
anderer  Seite  wird  bezweifelt,  ob  ein  solches  vorgehen ­
  die  Kleingewerbetreibenden  voran  bringt.
Aus  einer  ländlichen  Gemeinde  sind  dazu  folgende
Vorschläge  gekommen:  Ausräumen  mit  dem  Borgunwesen, ­
  Führen  von  guten  und  billigen  waren,
Rabattgewährung,  Pflege  des  Gemeinschaftsgeistes,
Errichtung  von  Einkaufsgenossenschaften,  pervorragende
  Kenner  des  Konsumvereinswesens  haben
diesen  weg  schon  des  öfteren  empfohlen,  weil  er
nach  ihrer  Ansicht  am  ehesten  Erfolg  verheißt.
Die  Einkaufsgenossenschaften  spielen  nun  allerdings ­
  beim  gewerblichen  Mittelstand  noch  eine  sehr
unbedeutende  Rolle.
Das  Ergebnis  ihrer  Beobachtungen  hat  die
Kammer  zu  einer  Denkschrift  zusammengefaßt,
die  der  Regierung  und  den  Parlamenten  vorgelegt
wurde.  Sie  gipfelt  in  folgenden  Leitsätzen,  die
die  wichtigsten  Forderungen  an  Gesetzgebung  und
Verwaltung  enthalten:
1.  Die  Konsumvereine  müssen  den  gewerblichen
Unternehmungen  in  steuerpolitischer  pinsicht
gleichgestellt  werden.  Namentlich  ist  sicherzustellen, ­
  daß  die  von  den  Konsumvereinen
verteilte  Dividende  (Rabattvergütung,  Spareinlage
  usw.)  in  vollem  Umfange  zur  Einkommensteuer ­
  herangezogen  wird.
2.  Die  Pergabe  von  Räumlichkeiten  an  Beamtenkonsumvereine ­
  durch  staatliche  oder  kommunale ­
  Behörden,  ebenso  die  Begünstigung
dies  er  vereine  in  anderer  weise,  ist  zu  verbieten.
            
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