fullscreen: Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

§ 8. Der Seeverkehr. 
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Auch im Verkehr auf den Binnenwasserstraßen ist diese Art der 
Berechnung der wirklich stattgehabten Belastung, bezw. die Fest 
stellung der Belastungsgrenzen von großer Wichtigkeit. Nur daß hier 
noch eine andere Sache zur Ermöglichung eines zuverlässigen Urteils 
herangezogen werden muß. Es kommt hier bei Vergleichen nämlich 
nicht nur darauf an, die Aufnahmefähigkeit einer Wasserstraße für 
eine bestimmte Anzahl von Fahrzeugen festzustellen, um sie mit einer 
anderen vergleichen zu können. Hier handelt es sich vielmehr außer 
dem darum, die Aufnahmefähigkeit der Unterkunftsflächen in die ver 
gleichende Rechnung einzubeziehen, die bei verschiedenen den Schiffen 
gefährlichen Erscheinungen wie Vereisung und namentlich Eisgang, 
sodann bei Hochwasser usw. als Schutzhäfen in Betracht kommen. 
Schließlich bleibt noch ein Maßstab zu erwähnen, der für Eisen 
bahn wie Binnenwasserstraßen nicht ohne Wert ist. Bei seiner An 
wendung werden abermals die Verkehrsmittel zum Vergleich heran 
gezogen. Wir können uns auch der verschiedenen Zugarten bedienen, 
um den Verkehr bestimmter Landschaften auf seine Eigenart einzu 
schätzen. Die Bedeutung großer Durchgangsstrecken z. B. geht aus 
der Zahl der auf einer Strecke verkehrenden Schnellzüge, die der 
Lokalstrecken aus derjenigen der Personenzüge hervor. So betrug 
beispielsweise selbst im Winter 1905/06, also außerhalb der eigent 
lichen Reisezeit mit ihren Sonderzügen und vermehrten Zugzahlen 
auf der Strecke Würzburg—Bietigheim die Zahl der Fernverkehrs 
züge nur 19 vom Hundert aller überhaupt daselbst verkehrenden 
Eisenbahnzüge, während auf der Strecke Lichtenfels—Nürnberg- 
München 39 vom Hundert auf solche entfielen. Der Charakter der 
an zweiter Stelle angeführten Bahnverbindung als der einer Durch 
gangsstrecke, der nach den früher angegebenen Methoden sich auch 
durch Beziehung auf die Siedelungen darstellen läßt, tritt auch in 
diesem Vergleich klar zutage. 
§ 8. Der Seeverkehr. 
Schon in der vorhin gegebenen Ausführung über die Ansatzpunkte 
der Binnenschiffahrt wurde des Seeverkehrs Erwähnung getan. Dieser 
ist, geographisch betrachtet, eine der interessantesten und wichtigsten 
Aeußerungen der den Personen- wie den Güteraustausch regelnden 
Bewegungen, denn kaum irgendwo tritt die Abhängigkeit dieser Be 
wegungen von den Erscheinungen der Natur so klar und deutlich zu 
tage. Bildet doch das Studium dieser Naturkräfte und ihres örtlichen 
Auftretens eine der wesentlichen Aufgaben der Nautik, d. i. der Lehre 
von der Schiffahrt. In viel höherem Grade als beim Verkehr auf dem 
festen Lande greifen diese Kräfte nicht nur in der Stärke, mit der sie 
auftreten, sondern auch in dem mit den Jahreszeiten sich zeigenden 
Wechsel ihres Herrschaftsgebietes in die Bewegungen der das Meer 
befahrenden Schiffe ein, und wenn wir einigen von ihnen, wie der 
Stärke der zu überwindenden Strömung, auch schon in den Binnen 
wasserstraßen begegnen, so vermögen sie dort, wo wir uns auch der 
Verkehrsmittel des Festlandes bedienen, nie in dem gleichem Maß 
stabe in das Verkehrsleben ganzer Völker einzugreifen wie auf der 
See, wo sie den gesamten Verkehr beherrschen. Die ungeheure Be 
deutung dieser Naturkräfte und zugleich diejenige der ozeanischen 
Schiffahrt tritt uns nirgends besser entgegen als in dem schönen
	        
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