Contents: Sozialismus und Regierung

Ein weiteres Stadium wird mit der Gesetzesschöpfung und der Durch 
führung des festgestellten Willens der Gemeinschaft eingeleitet. Wie 
ich bereits betont habe, verbieten die gesellschaftlichen Verhältnisse 
auf dieser Stufe dem Volke, an solchen Handlungen direkt teilzuneh 
men, abgesehen von höchst bedeutsamen Ausnahmefällen. Dem Volke 
diese Funktion aufzwingen zu wollen, käme dem Versuche gleich, die 
soziale Organisation herabzudrücken und müßte sie genau so unwirk 
sam machen, wie es die Physiologie der Cölenteraten für das Leben der 
Säugetiere erster Ordnung wäre. Was andere Schulmeinungen auch 
immer vorschlagen mögen, der Sozialismus stellt sich nicht solche un 
möglichen Probleme. Ihm liegt es ob, einen hohen Typus der sozialen 
Organisation mit individueller Freiheit zu vereinen. Programmforde 
rungen zu Gesetzen zu erheben, muß zum Aufgabenkomplex eines hoch- 
entwickelten Organs der Gesellschaft gehören. 
In der letzten Phase spielt das Volk die einzige Rolle. Nachdem die 
Gesetze erprobt worden sind, muß das Volk sie entweder gutheißen oder 
verurteilen. Haben sie ihren Zweck verfehlt? Haben sie mehr Befürch 
tungen hervorgerufen als Hoffnungen erweckt ? Kann man ihnen in 
den Grundzügen zustimmen? Haben sie die Verhältnisse mehr zerrüttet 
als geordnet? Hierüber hat das Volk bei den Wahlen zu entscheiden. 
Sein Votum kreiert und stürzt Regierungen. 
Der Gang der demokratischen Gesetzgebung erscheint mir so, wie ich 
ihn vorstehend geschildert habe. Sie muß eine umfassende Idee oder 
Gesinnung in vielerlei Formen und Richtungen verkörpern. Jeder kon 
stitutionelle Wechsel, der die Tendenz hat, die Geschlossenheit eines 
Programmes zu durchbrechen und das Volk zu ermuntern, für einzelne 
und nicht für Gruppen von Maßregeln zu stimmen, die alle gleichmäßig 
notwendig sind, wenn die Zeitideen ausgeführt werden müssen, ist reak 
tionär und hemmt die organische Entwicklung, den Fortschritt des 
sozialen Willens auf der ganzen Linie. Weder in dieser Hinsicht noch 
in anderen Punkten schließe ich mich daher den hypothetischen Gegen 
stücken einer alten politischen Phraseologie an: ob wir für Maßregeln 
oder für Männer stimmen sollen. Solange sich Maßregeln nicht mit 
Männern verbinden und sich Männer nicht an Maßregeln knüpfen, sind 
beide äußerst nutzlos. 
Die Genesis und das Leben einer Idee, die durch eine politische Pe 
riode hindurch fruchtbringend ist, verlaufen folgendermaßen. Die Idee
	        
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