II. Akratic und Aristagie.
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ist aristagisch. Bedenkt man ferner, daß unsere
Gegner (mit Ausnahme Rußlands) im Namen der
Demokratie gegen uns kämpfen, so sieht man wieder,
daß wir ihnen unmöglich den Gedanken der Aristokratie
entgegensetzen können, denn er paßt durchaus nicht für
Deutschlands innerpolitische Zustände. Auch hier liegt
die Lösung in deui neuen Wort: Deutschland ist arista
gisch organisiert. Von zwei aktuellen Gedankenreihen
aus enkpfiehlt sich also zunächst die Einführung dieser
neuen Begriffsworte. Eine Verdeutschung ist hier
nicht vorteilhaft, etwa in „Nichtherrschaft" oder „Be
stenführung"; denn auch die zu verbessernden und er
setzenden zwei Worte sind griechisch, wie sehr viele
dieses ganzen Gedankenkreises. Und, wenn richtig defi
niert, haben Fremdworte als Begriffsetiketten den Vor
teil, daß sie Jdealcharakter tragen und sich leichter ver
schiedenen Gedankengruppen anpassen lassen, ja end
lich auch für unser Ohr klangvoller und für die Zunge
bequemer sind. Eine Ausmerzung aller Fremdworte,
besonders der griechischen und lateinischen, ist kein
wünschenswertes Ziel und würde, ivenn durchgeführt,
die Verständigung häufig erschweren, statt sie zu er
leichtern; so sind, um nur ein paar zu nennen, auch
Ethik und Pädagogik, Politik und Philosophie, Theorie
und Praxis, wie hundert andere, unserem Denken
unentbehrlich geworden.
Manchem aber mag es völlig unwichtig erscheinen,
welche Namen oder Zeichen man wählt, ivenn man
etwa ein „Realpolitiker" sein will; es handle sich ja
doch um die Sache und nicht uni die Worte. Allein es
läßt sich auch historisch beweisen, daß die Fassung der
Begriffsworte von größtem Einfluß auf die Verwirk