Full text: Organisation

II. Akratie und Bristagie. 
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das es verdient usw. Das sind ganz schiefe Gedanken; 
in diesem Sinne „verdient" jede Masse nur das Schlechte 
und Minderwertige. Da aber in ihr doch auch die 
„Tüchtigen" mit stecken, so hat sie anderseits immer 
weniger, als sie verdient — wenn man sie ohne Füh 
rung läßt. Konnte sich das „Volk" (in diesem Sinne) 
je z. B. der Bestechlichkeit des Tammany-Ringes in 
New-Iork erwehren; macht das „Volk" Wahlen, Re 
formen, Revolutionen — oder einzelne Führer? Dazu 
nehme man den sogen. „Geschmack des Publikums" in 
Kunstsachen. Der ist immer der schlechteste, natürlich, 
wenn man es nicht zu beeinflussen sucht; und wo er 
gehoben wurde, geschah es durch das Wirken Einzel 
ner. Man gestatte heute in Deutschland Stiergesechte, 
römische Gladiatorenkämpfe und eine Spielbank ä la 
Monaco — natürlich werden sie überfüllt sein, trotz 
all unserer Kultur. Die „Tüchtigsten" werden draußen 
bleiben; die Masse würde sie stürmen. 
Das Wort „sozial" hat eine förmliche Betäubung 
der Köpfe bewirkt, so daß man in der Bolksmasse eine 
Personifikation erblickt, die einen klaren, bestimmten 
Willen haben könnte. Haben die Aristoi die Führung 
verloren, so ist der tiefere ethische und intellektuelle 
Stand maßgebend; alles was dem Urteil oder Ge 
schmack der Masse überlassen wird, verliert seinen Wert 
und sinkt rettungslos immer tiefer hinab. Sozial ge 
sinnt sein heißt nicht, die Masse anbeten und sie um 
schmeicheln, sondern das Volkswohl fördern wollen und 
sich als Diener des Ganzen fühlen. Das aber verlangt, 
daß man die selbst errungenen Werte nicht dem ver 
meintlichen „Willen" des Volkes unterordnet, sondern 
sie zu seinem Wohle anwendet; in dem Agein liegt die
	        
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