Full text: Organisation

58 
III. Das Führerproblem. 
nalität bezeichnet. Zwischen diesem und dem Führen 
aber besteht ein Gegensatz; allzu eigenartige Charak 
tere eignen sich dafür nicht. Und es ergibt sich folgende 
Antinomie: zum Führen bedarf man zweifellos „Per 
sönlichkeiten"; sind diese aber allzu sehr entwickelt, d. h. 
eben allzu „originell", dann laugen sie wieder nicht 
dazu, wie die Erfahrung des Lebens zeigt. 
Die Lösung dieses Widerspruchs ist nur durch folgende 
Erwägungen niöglich. Zunächst erscheint durch die 
„Aristagie" die Menschheit in zwei Gruppen zerteilt, 
in Führende und Geführte. Aber es muß etwas geben, 
was beiden Teilen gemeinsam ist, sie zusammenhält 
und wiederum zu einer Einheit macht. Das ist das 
Ziel, der Zweck menschlichen Handelns, in den höchsten 
Fällen das Ideal, das eine Zusammenfassung von 
Zwecken bedeutet. Zu ziellosem Handeln, willkürlichem, 
beliebigen, in diesem Sinne „freien", braucht man 
keinen Führer; das kann jeder allein besorgen; jeder 
ist dann zugleich Träger der Idee, des Sinnes der 
fraglichen Handlungen. Der Führer aber muß die 
Ziele besser kennen oder doch wenigstens bei Überein 
stimmung über das Ziel die zu ihm führenden Wege; 
gemeinsam ist ihm und den Geführten dann die Sache, 
um die es sich handelt, die Aufgabe, die gelöst, das 
Ziel, das erreicht werden soll; darin liegt das Verbin 
dende und nur in der Rollenverteilung das Tren 
nende. 
Also können tvir keine „Persönlichkeit" brauchen, die 
nur sich selbst und ihre Interessen zum Ziele setzt; 
das aber tut das Streben nach Originalität, der spe 
zielle Persönlichkeits-Kultus, ja eine ganze ethische 
Richtung, die in der Selbstvervollkommnung das ein-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.