Full text : Die Konsumtion

136  I.  Buch  B  III:  K.  Oldenberg,  Wirtschaft,  Bedarf  u.  Konsum.

§;e

von  veränderten  Beschaffungskosten  der  Güter  ausgeht,  wird  sie  zugleich  das  nominelle ­
  Volkseinkommen  erhöht  haben,  wenn  auch  nicht  notwendig  in  demselben
Maße.  In  welchem  Umfange  nun  aber  die  Teuerung  durch  Zunahme  des  Volkseinkommens ­
  im  ganzen  und  der  einzelnen  sozialen  Bevölkerungsschichten  im  besondern
ihren  Ausgleich  gefunden  hat,  ist  wiederum  nicht  Gegenstand  der  Erörterung  in  der
Konsumtionslehre.  Hier  muß  der  Hinweis  ausreichen,  daß  auch  bei  einer  inneren
Geldwertminderung  mindestens  die  Einkommenszunahme  einzelner  Klassen,  wie
Lohnarbeiter,  Gehaltsbezieher  und  Rentner,  wahrscheinlich  in  der  Regel  mit  der
Teuerung  nicht  Schritt  hält,  und  daß  die  Schwierigkeiten  der  gewohnten  Bedarfsdeckung, ­
  die  aus  der  Teuerung  resultieren,  die  Gesundheit  breiter  Volksschichten
gefährden  können  und  oft  das  Motiv  zu  Lohnkämpfen  geben  und  den  sozialen  Frieden
stören.
Ueber  das  Maß  der  Teuerung  in  der  jüngsten  Vergangenheit  geben
für  Deutschland  und  andere  Länder  eine  Reihe  preisstatistischer  Untersuchungen
Auskunft x ).  So  wird  für  7  deutsche  Großstädte  2 )  von  Calwer’)  der  jährliche
Nahrungsaufwand  einer  vierköpfigen  Normalfamilie  (auf  Grund  der  Normalration
eines  Marinesoldaten  und  der  Markthallenpreise)  beziffert:

1900

1063  Mark

1907

1177  Mark

1901

1069  „

1908

1186  ,

1902

1077  „

1909

1202  „

1903

1100  „

1910

1240  „

1904

1107  „

1911

1209  „

1905

1143  „

1912

1308  „

1906

1196  „

Zahn 4 )  berechnet  auf  anderer  Grundlage  Indexzahlen  für  die  Nahrungskosteil
wenig  bemittelter  Familien  in  Bayern:

1881

93,2

1906

114,7

1900

100,0

1907

113,8

1901

100,6

1908

115,8

1902

103,3

1909

121,3

1903

103,0

1910

125,7

1904

104,4

1911

127,7

1905

110,7

Für  den  Zeitraum  1900—1911  ergeben  Calwers  Zahlen  eine  Verteuerung  der
Nahrung  um  13,7  %,  Zahns  Zahlen  27,7  %,  die  Berechnungen  des  englischen  Handelsamts ­
  5 )  (auch  gewogene  Mittelwerte)  für  Preußen  28%,  Bayern  26%,  Württemberg
32%,  Baden  25%;  die  vielbenutzten  Zahlen  Calwers  lassen  demnach  die  Teuerung

x )  Vgl.  Reichsarbeitsblatt  1910  und  1911:  Preisstatistische  Arbeiten  der  amtlichen ­
  Arbeiterstatistik.  B  a  11  o  d  ,  Das  Problem  der  Preisbewegung  und  Verbrauchssteigerung ­
  in  den  letzten  40  Jahren,  I.  England,  Zeitschrift  des  Preußischen  Statistischen  Landesamts ­
  1912.  Eulenburg  in  Weyis  Handbuch  der  Hygiene  III 2  (1912),  S.  5  f.  (Auch  desselben ­
  Autors  Vortrag:  Die  Preissteigerung  des  letzten  Jahrzehnts,  Leipzig  1912.)  Biermer,
Teuerung  und  Geldwert,  1912.  B  1  o  n  d  e  1,  Le  rencherissement  de  la  vie,  Paris  1911.  Hooker,
  The  course  of  prices  at  home  and  abroad,  1890—1910.  Journal  of  the  R.  Statistical
Society,  London,  Dezember  1911.  Ashley,  The  rise  in  prices  and  the  cost  of  living,  London
1912.  Englisches  Blaubuch  Cd  6955,  August  1913:  Working  dass  rents  and  retail
prices  in  industrial  towns  of  the  United  Kingdom  in  1912.  Die  einschlägigen  Publikationen
des  Vereins  für  Sozialpolitik  zur  Generalversammlung  im  Herbst  1914  liegen
beim  Abschluß  dieser  Zeilen  erst  teilweise  vor.
2 )  Danzig,  Berlin,  Dresden,  Chemnitz,  Leipzig,  Stuttgart,  München.
3 )  Cal  wer,  Das  Wirtschaftsjahr  1910,  1.  Teil,  Jena  1913,  S.  346.  Die  Zahlen  für  1911
und  1912  sind  nach  Calwers  Wirtschaftsstatistischen  Monatsberichten  in  dem  erwähnten  englischen ­
  Blaubuch  S.  345  für  die  Woche  berechnet  und  von  mir  mit  52  multipliziert  worden.
4 )  Bulletin  de  l’Institut  international  de  statistique,  Bd.  19,
3.  Lieferung  (1912).  Die  Zahl  für  1911  ist  in  dem  genannten  englischen  Blaubuch  S.  343  auf
Grund  der  Preisstatistik  in  der  Zeitschrift  des  Bayerischen  Statistischen  Landesamts  berechnet ­
  worden.
5 )  Blaubuch,  S.  346—350.
            
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