Full text: Die Konsumtion

Speziell Einfluß der Steuer auf die Konsumtion. 
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natürlich auch die konkurrierende inländische Ware verteuert, obwohl sie steuer 
frei ist; diese Verteuerung ist zur Steuerlast gerechnet. 
Die Tabelle zeigt, in wieviel stärkerem Maße das Budget der niederen Einkom 
mensstufen belastet wird; eine entsprechend stärkere Ablenkung des Konsums 
der belasteten Artikel ist anzunehmen. Wo der Konsum eines versteuerten und ver 
teuerten Artikels eingeschränkt wird, muß gleichzeitig das physiologische Bedürfnis 
durch ein Surrogat befriedigt werden, z. B. durch vermehrten Kartoffelkonsum bei 
Verteuerung des Brots. Wo wie beim Salz der Konsum nicht leicht einzuschränken 
ist, wird wenigstens jedes Korn um so sorgfältiger verwendet, während im wohl 
habenden Haushalte die achtlose Vergeudung nicht unbeträchtlich sein dürfte; und 
es muß die Mehrausgabe für Salz bei andern Artikeln wieder eingespart werden. 
Es besteht ja überhaupt bei gegebenem Einkommen eine gewisse gegenseitige Be 
dingtheit zwischen allen Ausgabeposten; der Verteuerung an einer Stelle muß eine 
Ersparnis an anderer entsprechen. Auf den oberen Einkommensstufen, die durch 
Erwerbssteuern belastet sind, kommt diese Bedingtheit auch darin zum Ausdruck, 
daß auch um diesen Betrag der Erwerbssteuern die andern Ausgabeposten gekürzt 
werden müssen. Wenn bei den entbehrlicheren Steuerobjekten der Verbrauch grö 
ßer gewesen sein würde ohne die Steuer, so wird der Rückgang des Verbrauchs den 
Preis gedrückt und die Ueberwälzung der Steuer beeinträchtigt haben. Immerhin 
ist Laspeyres *) der Nachweis gelungen, daß die Aufhebung der preußischen Mahl- 
und Schlachtsteuer 1873 dem Konsumenten in vollem Umfange zugute gekommen 
sei, woraus folgt, daß die Steuer, solange sie bestand, wahrscheinlich vom Konsu 
menten in vollem Umfange getragen wurde. 
Da wir wissen, daß mit der Kopfzahl der Familie die Quote der Nahrungsaus 
gabe im Budget steigt, so müssen wir leider annehmen, daß ebenso wie die armen 
auch die kinderreichen Familien von den Verbrauchssteuern vorzugsweise getroffen 
und in ihrer Ernährung gefährdet werden. 
Die Tabelle zeigt zweitens, daß die Steuerbelastung auf den mittleren Ein 
kommensstufen zwischen den beiden Erhebungszeiträumen annähernd gleich ge 
blieben zu sein scheint. Der scheinbare Rückgang der Belastung auf der obersten 
und untersten Stufe läßt bei der unvollkommenen Vergleichbarkeit beider Erhe 
bungen keine sicheren Schlüsse zu. Wohl aber würde der Vergleich einzelner Ver 
brauchsobjekte, wie Zucker und Kaffee, wenn der Raum die Wiedergabe der de 
taillierten Tabelle Neumanns erlaubte, eine zunehmende Mehrbelastung der unteren 
Klassen zeigen, die teilweise wenigstens sich wohl aus der Verbilligung dieser Ar 
tikel erklärt; die Verbilligung hat vorzugsweise auf den unteren Stufen den Kon 
sum (und damit die Steuerlast) gesteigert, während auf den oberen Stufen man sich 
dem Sättigungspunkt schon näherte. Beim Petroleum läßt der starke Verbrauchs 
rückgang auf der obersten Stufe (von 205 auf 41 kg) den Einfluß von Gas- und elek 
trischer Beleuchtung erkennen. Der beträchtliche Rückgang des Kaffeekonsums 
auf den oberen Stufen deutet auf Zunahme des Tee- und Kakaokonsums, vielleicht 
auch des Surrogatenkonsums hin. Der Rückgang des Salz- und Zuckerkonsums auf den 
oberen Stufen läßt angesichts der allgemeinen Verbrauchsstatistik auf zunehmenden 
indirekten Verbrauch dieser Artikel in Suppenwürzen, Konserven und andern Prä 
paraten schließen. Dagegen zeigt der Branntweinverbrauch auch auf den unteren 
Stufen einen starken Rückgang, dem eine beträchtliche Vermehrung des Bierver 
brauchs entspricht. So gibt diese Belastungsstatistik zugleich einen Einblick in Be- 
darfsverschiebungen, die mit der Steuer nicht Zusammenhängen. 
Es steht da in, ob auch bei den hier zugrunde hegenden Wirtschaftsrechnungen 
die Familien der unteren Einkommensstufen die kinderärmeren sind, so daß ihre 
Mehrbelastung bei gleicher Kinderzahl als noch schwerer erscheinen müßte. 
Noch nicht angerechnet ist in den obigen Tabellen die Belastung des Haushalts 
0 Finanzarchiv 1901. 
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