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Die Naturphilosophie. — Campanella,
und damit äusserlich unter ein gemeinsames Schema zusammen-
gefasst. Die Thomistische Metaphysik Campanellas aber vermag
bei dieser Auffassung nicht stehen zu bleiben, sondern sucht zu-
gleich in dem Reich der „Ideen“ eine höhere Gewähr und Recht-
fertigung der Gattungsbegriffe. Die Gemeinsamkeiten, die wir
in der Vergleichung der Empfindungen entdecken, weisen auf ur-
sprüngliche Einheiten im göttlichen Verstande zurück und
finden in ihnen ihr Correlat und ihre Bestätigung.®) Der Geist
vermag das All zu begreifen, sofern er selbst an diesen schöpfe-
rischen Urbildern, aus denen es erzeugt wurde, Teil hat.) Der
Platonismus, den Campanella in diesen Sätzen bekennt, trägt
{reilich selbst noch durchaus die Züge der mittelalterlichen Auf-
fassung: aber es ist interessant zu beobachten, wie er selbst in dieser
Verkleidung wiederum zum logischen Sinn der Ideenlehre hin-
leitet. Die äusseren Dinge sind nur die Gelegenheitsursachen
des Wissens, dessen wahrer causaler Grund jedoch in der eigenen
Erkenntniskraft des Geistes zu suchen ist. Die Objekte machen
den Menschen nicht weise noch bestimmen sie sein Wollen und
Handeln; sie bezeichnen nur eine Richtung und eine „Spezifi-
kation“, die das Denk- und Willensvermögen in uns erfährt. ®)
Die Wahrnehmung selber ist nicht lediglich als ein Leiden,
sondern zugleich als ein Tun zu denken, da sie eine logische
Operation und einen Urteilsakt einschliesst, der uns nur wegen
der Schnelligkeit, mit der er von Statten geht, nicht gesondert
zum Bewusstsein kommt. Die receptive Erfassung eines Inhalts
ist von seiner „diskursiven“ Betrachtung nicht zu trennen. 6%)
Wenn Campanella die Einheit der Grundlegung dadurch zu
retten sucht, dass er diese Tätigkeit des Verstandes selbst unter
den Gattungsnamen der „Empfindung“ einbegreift, so liegt die
Schwäche dieses Auswegs zu Tage: denn wie könnte der Intellekt
a0och als „unvollkommener Sinn“ bezeichnet werden, wenn er
doch als Bedingung jegliches bestimmten und in sich vollen-
deten Wahrnehmungsaktes anerkannt wird? Der Weg, den Cam-
panella nunmehr zurückgelegt hat, lässt sich am einleuchtendsten
an seiner Begriffsbestimmung der „Vernunft“ verfolgen. Wenn
der‘ Nominalismus die allgemeinen Begriffe als Fiktionen, als
‚Entia rationis“ verwirft, so trifft dieses Urteil, wie jetzt ausge-
;prochen wird, nicht die Vernunft selbst, deren Operationen und