Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Die Naturphilosophie, — Campanella.

astronomischen Ursachen und mit der tatsächlichen. Verfassung
des Kosmos vertraut: hier und überall muss die Mathematik sich
bescheiden, die „Magd der Physik“ zu bleiben. Wenn der Geometer
 von den zufälligen und besonderen Eigenschaften des Körpers
absieht, um sich nur ihren allgemeinsten quantitativen Grundbestimmungen
 zuzuwenden, so zeigt eben dies nicht seine methodische
 Kunst, sondern seine methodische Schwäche: „denn Alles
betrachtet, wer weise ist“.6%) Wieder ist es jenes Ideal der abso-Iuten
 Erschöpfung des Erkenntnisumfangs, das den Inhalt der
Logik und Mathematik entwertet. Kepler, der scharf und klar
wie kein anderer das Gebiet der Physik von dem der Mathematik,
die blosse Hülfsannahme der Messung und Rechnung von der
‚wahren Ursache“ zu scheiden weiss, bleibt dennoch in seiner
Grundansicht vom Verhältnis beider Wissenschaften Campanella
in jedem Punkte entgegengesetzt. Man erkennt an diesem Punkte,
dass es nicht nur eine äusserliche, sondern zugleich eine methodische
 Schranke war, die Campanella zuletzt bei dem astronomischen
 Weltbild des Mittelalters verharren liess.®) —
Immerhin setzt auch an diesem Problem dieselbe allgemeine
 Bewegung und Entwicklung ein, die wir im Ganzen von
Campanellas Metaphysik verfolgen konnten. Mögen immerhin
die Begriffe der Geometrie in der empirischen Welt, die uns
umgibt, nirgends verwirklicht sein: wir vermöchten sie nicht einmal
 geistig zu entwerfen, wenn ihnen nicht dennoch irgend eine
Art des Seins entspräche. Unser gedankliches Konstruieren verlangt
 ein reales Substrat, auf das es sich stützt. Eine solche
Grundlage aber ist der reine absolute Raum, der als ursprüngliche
 Existenz vor der gesamlen Körperwelt, die erst in ihm und
anter seiner Voraussetzung entstehen kann, vorhanden ist. Der
„Ort“ ist als das unbewegliche und unkörperliche Behältnis, in
las jedes materielle Dasein sich einfügen muss, die „ersie Substanz“
 und die „Basis aller Existenz“. Damit aber ist auch für
die Sätze der Geometrie ein neuer Halt und eine neue Anknüpfung
gewonnen: sie haben reale Gültigkeit, sofern sie sich auf dieses
primitive Sein beziehen, das allen empirischen Einzeldingen seiner
Natur und seinem Ursprung nach vorangeht.®) Nunmehr entsteht
 eine neue eigenartige Entsprechung und Durchdringung des
„Idealen“ und „Realen“. Wenn wir etwa davon reden, dass eine
            
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