Full text : Der Deutsche Post-Zeitungsgebührentarif

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Für  die  Zeitungsbezieher  hatte  dieser  Umstand  den  großen
Vorteil,  daß  die  Preise  der  Zeitungen  von  den  Zeitungsunternehmern ­
  wesentlich  ermäßigt  werden  konnten.  Die'großen
Kosten  für  Nachrichtendienst,  Mitarbeiter,Redaktion,  Verwaltung,
Satz,  Papier  und  Druck  vermag  eine  moderne  Zeitung  unmöglich ­
  aus  dem  Abonnements-  und  Einzelverkaufs-Ertrage
zu  bestreiten.  *)  Sie  müßte  sonst  ihren  Bezugspreis  so  hoch
bemessen,  daß  ihre  Absatzmöglichkeit  geschmälert  und  vielleicht
ihre  ganze  Existenz  gesührdet  würde.  Das  finanzielle  Rückgrat
einer  Zeitung  bilden  jetzt  vielmehr  die  Jnserateueinuahmen.
Da  die  Preise  der  Inserate  bei  weitem  die  Kosten  der  Herstellung ­
  überwiegen,  kann  dafür  der  Preis  der  Zeitungen
bis  unter  die  Herstellungskosten  des  redaktionellen  Teils
ermäßigt  werden?)
Die  Tagesblätter,  die  jetzt  in  Folge  des  allgemeinen
Interesses  der  Bevölkerung  an  öffentlichen  Dingen  eine  weite
Verbreitung  und  einen  ausgedehnten  Leserkreis  haben,  eignen
sich  in  besonderem  Maße  für  ein  zweckmäßiges,  wirkungsvolles
und  werbekrüftiges,  dabei  verhältnismäßig  billiges  und
bequemes  Veröffentlichen  von  Anzeigen  aller  Art?)  Volkswirtschaftlich ­
  von  Bedeutung  sind  namentlich  die  geschäftlichen
Anzeigen.  Sie  gehören  „zu  den  Reizmitteln,  durch  welche
die  moderne  Verkehrswirtschaft  jenes  Wunderwerk  der  Bedarfssammlung
  vollbringt,  deren  sie  bedarf,  um  durch  Massenproduktion
die  Herstellungskosten  zu  erniedrigen  und  damit  die  Güterprcise
zu  verbilligen.  Sie  hat  besonders  da  ihre  Stelle,  wo  andere
')  Die  Bezugsgelder  deckten  im  Jahre  1900  bei  den  „Münchener
Neuesten  Nachrichten"  nur  35,7%  der  Herstellungskosten  (Söbl  S.  159  f.);
bei  der  „Kölnischen  Volkszeitung"  betrugen  sie  im  Jahre  1906  54%
(Schölten  S.  111).  Als  Durchschnitt  sind  40-45%  anzunehmen  (Stoklossa
  S.  563).  „Sehr  annoncenreiche  Blätter  haben  berechnet,  daß  sie
nur  37-40%  ihrer  gesamten  Herstellungskosten  durch  das  Abonnement
decken"  (Bücher,  Ztg.  S.  529).
2 )  Vgl.  Bücher,  Ztg.  S.  529.  -  Ueber  das  „Kostengesctz  der
Zeitung"  bgl.  ebenda  und  Löbl.  S.  164  ff.,  Diez  S.  102.
8 )  Ueber  die  Verbindung  des  Annoncenwesens  mit  der  politischen
Tagespresse  Dgl.:  Bücher,  Vw.  S.  248,  Bücher,  Ztg.  S.  528  f.,  Löbl
S.  160  ff.,  Meißner  S.  30  ff.,  Schacht  S.  507  f.,  Stoklossa  S.  563
und  Treitschke  (Politik.  Vorlesnngcn  gehalten  an  der  Universität  zu  Berlin.
Herausgegeben  von  Max  Eornicelins)  I.  Bd.  Leipzig  1897  S.  176  f.
            
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