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dessen aufrichtige und aufrechte Denkweise ich aufs höchste schätzte;
so lernte ich in Hobler, dessen Bild aus den Freiheitskriegen in der
Jenaer Universität der Llnregung meiner Trau zu verdanken ist, einen
kraftvollen und gedankenreichen Künstler kennen*; endlich verknüpfte
mich eine enge Freundschaft mit Map Keger, der schönste Pläne in
sich trug und so früh scheiden mustte. Unter den früheren Kollegen
vermistte ich aufrichtig Liebmann, dessen feste und tüchtige llrt
mir sehr sympathisch war; in der neuesten Zeit aber habe ich an
Talckenberg einen aufrichtigen freund und einen Mann von wahrer
Herzensgüke und Treue verloren. Besonders must ich auch der
früheren Lchüler gedenken, die ihr junges Leben willig für das
Vaterland einsetzten; überhaupt erinnere ich mich mit viel Wehmut
der vielen vortrefflichen jungen Kräfte, welche vor mir ihren Weg
vollendeten**.
Man sieht bei solchem Kückblick, dast man alt wird, aber das
Öfter braucht die Herzlichkeit der gesinnung und die Treue des ün:
denkens nicht zu vermindern.
* Ls war sehr bedauerlich, dast Hodler wegen der Unterzeichnung einer
Adresse gegen die vermeintliche Zerstörung der Kathedrale von Reims als ein
Teind der Deutschen erschien. Jene falsche Rachricht ging damals durch die
ganze alliierte Presse, und Hodler, der kaum fe eine Zeitung las, war nicht der
Mann, jene falsche Rachrichk zu prüfen, Allerdings war es tadelnswert, dast
er, auf den wirklichen Tatbestand aufmerksam gemacht, nicht offen und ehrlich
jene Unterschrift zurückzog. Damit hatte unsere Freundschaft ein Lnde, aber ich
betrachte ihn dauernd als einen grasten Künstler deutscher Art.
** So gedenke ich unter den Lindrücken der letzten Monate namentlich des
hochbegabten und charaktervollen gustav Robert-Tornow, der sowohl in der
Philosophie als in der Musik zu höchsten Zielen strebte, und der mit inniger
Treue an mir hing. Lr vornehmlich hat mit grösttem Lifer darauf gedrungen,
dast ich meine Lebenserinnerungcn niederschreiben und veröffentlichen möchte.