Full text : Lebenserinnerungen

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Die  Universitätsjahre.
^  ^ie  ersten  Lindrücke  der  Universität  teilte  ich  wohl  mit  vielen
I^ültersgenossen.  Man  fühlte  sich  in  eine  fremde  Welt  versetzt,
man  entbehrte  des  persönlichen  Llemenks,  welches  die  Heimat  und  die
genossen  boten,  man  hatte.Mühe  eine  gleichmässige  Ltimmung
zu  wahren,  man  fühlte  sich  verloren  in  den:  grasten  getriebc.
Dazu  kanr  bei  mir  eine  gewisse  Lnttäuschung  über  die  Professoren.
Ich  hatte  in  meiner  naiven  Urt  mir  fene  gelehrten  als  Weltweise
vorgestellt;  ich  erwartete  von  ihrem  Wirken  die  Lröffnung  groster
Ziele  und  fand  mich  natürlich  darin  enttäuscht.  Weiter  kam  dazu
die  Lchwierigkeit,  dast  mich  zwei  verschiedene  Uufgaben  fesselten.
Linerseits  wollte  ich  die  klassischen  Htudien  mit  den  angrenzenden
Hilfswissenschaften  als  die  Hauptsache  meiner  Qrbeit  behandeln,
andererseits  stand  meinem  inneren  Leben  und  Htreben  die  Philosophie ­
  unbedingt  voran.  Diesen  unverkennbaren  Konflikt  zwischen
llrbeit  und  gesinnung  hoffte  ich  durch  angespannte  Tätigkeit  überwinden ­
  zu  können.  Diese  Überwindung  ist  mir  aber  nicht  leicht
geworden  und  die  gefahr  eines  Bruches  lag  einmal  recht  nahe.
von  den  einzelnen  Lehrern  haben  zunächst  Lauppc,  Lurtius,
v.  Leutsch  und  Teichmüller  auf  mich  gewirkt,  lluch  die  Vorlesungen
von  Waitz  haben  mich  sehr  angezogen.  5auppe  hat  unter  den
Philologen  am  meisten  für  uns  getan.  Ihm  kam  zugute,  dast  er
eine  Zeitlang  gpmnasialdirektor  in  Weimar  war  und  auch  dem
literarischen  Leben  Weimars  nahestand.  Wit  unermüdlicher  5orgfalt
  war  er  um  seine  Zuhörer  bemüht,  federn  einzelnen  von  ihnen
stand  seine  Privatbibliothek  zur  Verfügung,  und  stets  war  er  zu  eingehendem ­
  Kat  erbötig.  Heine  vorlestingen  zeigten  Klarheit,  Zcharfsinn,
  vielseitiges  Wissen,  eine  geschmackvolle  Torrn.  Der  Philosophie
stand  er  nicht  näher.  In  anderer  Weise  wirkte  Lurtius.  Lr  fesselte
uns  durch  sein  künstlerisches  vermögen  und  durch  seine  fugendliche
irische.  Lr  entwarf  fesselnde  Bilder  der  griechischen  Welt,  die  mit
Hinreistender  Wärme  vorgetragen  wurden.  3ehr  beliebt  war  er  als
Lxaminator;  er  liest  die  einzelnen  Lsaminanden  möglichst  ihre
eigenen  Wege  gehen  und  warf  nur  gelegentlich  ein  Wort  da-
            
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