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Bismarcks keine reine Freude an ^ener Wendung empfinden. Ich
hatte gehofft, dem äußeren Llufschwung würde auch ein innerer
entsprechen, und es würde das Leben mehr in Lelbsttätigkeit gestellt
werden. Werner schien mir fene Politik die ideellen Faktoren des
menschlichen Zusammenseins zu unterschätzen, öo war mir später
unsympathisch der Kulturkampf, unsympathisch die schroffe Vrt,
wie die unserem Staatsverbande einverleibten Völker behandelt
und selbst in ihrer Muttersprache eingeengt wurden; unsympathisch
auch das Sozialistengesetz mit seinem verfehlten Versuch, eine welt-
geschichtlicheBewegung durch polizeilicheMaßregeln zu unterdrücken.
Die Schuld ^ener Wendung lag freilich weniger an Bismarck,
dessen unermeßliche Verdienste über aller Kritik flehen, als an der
Schlaffheit und Trägheit des deutschen Bürgertums, das völlig zu
frieden war, wenn es ihm nur wirtschaftlich gut ging. Man erklärte
sich als „rcichstreu", was im gründe selbstverständlich war, man
bezahlte einen bescheidenen Beitrag für die Parteikasse, man besuchte
gelegentlich eine Versammlung und ließ das deutsche Leben mit
allen seinen inneren Problemen ruhig stehen, wie es stand. Ich
habe in Herren Zeiten wohl an das bekannte Wort gladstones ge
dacht, Bismarck habe Deutschland größer, die Deutschen aber kleiner
gemacht. Dieser verzicht des deutschen Bürgertums auf einen
selbständigen Willen und auf seine Durchsetzung hat sich im Ver
lauf der geschichte schwer gerächt; die Lache konnte nur so lange
gelingen, als ein überlegener geist das ganze lenkte; sobald die
Leitung an mittelmäßige und gar an schwankende Menschen kam,
war das Unglück nicht zu verhüten. Tür mich selbst ergab sich als
notwendige Tolge eine Zurückhaltung von allem politischen partei
leben; ich konnte meine besondere Llufgabe nur in einer inneren
Kräftigung unseres Volkes und der Menschheit finden; das gab
mir im Verlauf der Zeit vollauf zu tun. Lrst später haben sich meine
Kreise erweitert.
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