Eine gelegenheitsschrift war die Leebeck gewidmete Lchrift über
„Bilder undgleichnisse inderphilosophie"(i88o). Es schien mirnicht
unwichtig, dieses Problem näher zu erörtern und dabei das Wirken
der Phantasie auf die gedankenentwicklung zu verfolgen. Ich habe
später eine besondere Qbhandlung über die Bilder und gleichnisse
bei Kant geschrieben, und es ist mir eine besondere Treude, dast
noch in jüngster Zeit dieses Problem von juristischer Leite durch
meinen hochgeschätzten Kollegen bischer in seiner Bedeutung für
das Kecht anerkannt und vollauf gewürdigt ist. Lodann verfastte
ich 1886 dieLchrift„Beiträgezurgeschichteder neueren Philosophie";
sie sollte sich namentlich darum bemühen, die Bedeutung der älteren
deutschen Denker ins Licht zu stellen, da diese oft nicht genügend
anerkannt werden. Im besonderen war es mir wertvoll, den grasten
Naturforscher Kepler auch als einen bedeutenden Philosophen zu
zeigen. Liuch das möchte ich nicht unerwähnt lassen, dast ich an der
Festschrift zum zojährigen Doktor-Iubiläum des sehr verehrten
EduardZeller beteiligtwar; ich habe dort über die WürdigungLomte's
und despositivismus geschrieben. Quch bei diesemZegenstand forderte
ich eine Berufung von dem Bilde des Bewusttseins; wie es vorwiegend
durch die Endergebnisse, nicht durch die lebendigen Kräfte bestimmt
wird, an die schaffende und fortwirkende Tat der Menschheit; ich
forderte einen positlvismus, der die ganze Wirklichkeit umspannen,
den geist und die geschichte aufnehmen, durchgängig die lebendigen
Kräfte vor den Ergebnissen würdigen möchte. Lo war auch Uber die
Hauptschriften hinaus jener Zeitabschnitt für mich nicht unfruchtbar.
Inzwischen waren groste Wandlungen im staatlichen und im
literarischen Leben eingetreten. Der alte Kaiser war nach ruhm
reicher und selbstloser Negierung gestorben; dast sein Lohn,
Kaiser Friedrich, nach erschütterndem Krankenlager ihm so bald
folgte, war für unser Haus ein besonderer Lchmerz. Denn der
Vater meiner Trau, Llrnold passow, war zusammen mit dem Kron
prinzen wissenschaftlich erzogen worden und es war daraus ein
dauerndes Treundschaftsverhältms entstanden; auch bei unserer
Hochzeit erwies jener Prinz seine freundschaftliche Teilnahme. llls
ich ihm als Prorektor bei einem Weimarifchen Test begegnete, kam
er sofort zu mir und bat mich, nach der Tafel zu ihm zu kommen;
wirhabenuns dann längereZeitunterhalten,und die llrt, wie er über
den verstorbenen Treund sprach, zeigte die innigste Teilnahme und
Herzlichkeit; er war so ergriffen von der Erinnerung an seinen
Treund, dast mir später wohl der gedanke aufstieg, er selbst habe
schon damals die ihm drohende gefahr gefühlt. Nun war die
Herrschaft an Wilhelm II. gekommen, und es konnte damals nie
mand voraussehen, dast dieser so bald sich von dem grasten Ltaats-
mann trennen und eigenwillig eigne Wege wagen werde.