Full text : Lebenserinnerungen

82

Erweiterung  meines  Wirkens
über  Deutschland  hinaus.

E^^aß  ich  im  Lluslande  verhältnismäßig  mehr  Lknerkennung  fand
X*/als  in  Deutschland,  das  hatte  einen  guten  gründ.  Ich  habe
mich  stets  als  einen  guten  Deutschen  gefühlt,  und  ich  habe  auch  im
Lluslande  dem  brecht  der  deutschen  Hprache  nicht  das  mindeste
vergeben,  aber  mein  Hauptproblem  war  übernational,  es  erstreckte
sich  über  alle  Völker  und  Kulturkreise.  Ls  galt,  das  gegenwärtige
Leben  von  einer  starken  Unwahrhaftigkeit  zu  befreien,  an  der  es
leidet,  und  eine  innere  Erhöhung,  fa  Umwälzung  des  menschlichen
Lebensstandes  zu  fördern;  dafür  aber  fand  ich  mehr  Wärme  und
mehr  Unbefangenheit  bei  verschiedenen  auswärtigen  Völkern  als  in
Deutschland.
Wohl  die  intimsten  Beziehungen  habe  ich  zuerst  zu  Finnland
gewonnen.  £s  waren  zunächst  zwei  füngere  gelehrte,  Lastren  und
Boldt,  mit  denen  ich  in  eine  engere  Beziehung  trat,  und  die  mich
bald  durch  ihre  Tüchtigkeit  und  ihre  geistige  Lnergie  lebhaft  anzogen. ­
  Lie  haben  auch  bald  ein  Interesse  für  meine  gedankenwelt
bekundet  und  in  größeren  Llrtikeln  niedergelegt.  Dann  aber  kam
ein  besonderer  Linlaß,  für  Finnland  einzutreten.  Das  Land  war
vom  Zarismus  schwer  unterdrückt;  Treunde  von  Finnland  hatten
die  Hoffnung,  durch  Vorstellungen  an  den  russischen  Kaiser  auf
Milderung  des  Druckes  zu  wirken.  Tür  diese  Hache  habe  auch  ich
mit  einem  kleinen  Kreis  aus  verschiedenen  Ländern  eifrig  gewirkt;
die  deutsche  Lidresse  ist  von  Jena  ausgegangen.  Die  Hache  hatte
keinen  äußeren  Lrfolg;  die  Überreichung  jener  von  den  ersten  gelehrten ­
  und  Künstlern  aller  Kulturvölker  unterschriebenen  Lldresse
wurde  verweigert;  aber  zur  inneren  Htärkung  des  Landes  hat  sie
unverkennbar  gewirkt;  nichts  ist  trauriger,  als  wenn  ein  zweifelloses ­
  Unrecht  die  übrige  Menschheit  gleichgültig  findet.  Heitdem
bin  ich  in  dauernder  Beziehung  mit  Tinnland  geblieben,  und  ich
habe  in  der  deutschen  Presse  vielfach  zur  Förderung  Tinnlands  geschrieben. ­
  Von  Tinnland  habe  ich  im  Jahre  lyoy  auch  eine  liebenswürdige ­
  Linladung  des  Lenats  zur  llbhaltung  einer  Llnzahl  von
Vorträgen  erhalten,  der  ich  aber  damals  beim  besten  Willen  nicht
folgen  konnte.  —  Weitere  wissenschaftliche  Linladungen  erhielt  ich
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.