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Behandlung der deutschen Verhältnisse durch die dortige Presse. Das
Urteil bewegte sich vielfach in schroffen gegensätzen. Einmal glaubte
man auf Deutschland als auf ein unfreies Land herabsehen zu
dürfen, man hielt sich dabei oft an Kleinigkeiten des Lebens;
zugleich aber hatte man graste Sorge, Deutschland möchte zu stark
und auch zu reich werden. fluch traute man uns manche, wenn
nicht militärische, (io doch wirtschaftliche Pläne zu. Namentlich war
man bedenklich wegen unseres Einflusses auf Südamerika. Lin
dortiger Kollege fragte mich, wir hätten wohl unter unseren Skuden-
ten sehr viele Südamerikaner. Ich erwiderte, sie wären seltene
Ausnahmen. Lr wunderte sich darüber und meinte: „Nun ja,
Sie haben ja doch die Qbsicht, Südamerika sich zu unterwerfen";
daraus erklärte er den vermeintlichen Zustrom der Studenten.
Überhaupt herrschte in Amerika eine graste Unkenntnis der euro
päischen und namentlich der deutschen Verhältnisse. Ungünstig
war es auch, dast unsere radikale Presse die deutschen Zustände
recht schwarz zu nialen liebte; sie dachte nur an das Inland, nicht
an die Wirkung auf die änderen; das hat uns sehr geschadet.
Jedenfalls wäre es bei solcher Lage und bei vielfacher Verkennung
der deutschen Übsichten unbedingt notwendig gewesen, dast von
diplomatischer Seite mit gröstter Energie die Stimmung verbessert
und ein inneres Verhältnis der beiden Länder ausgebaut wurde.
Notwendig war im besonderen die Begründung einer grasten
deutschgesinnten Zeitung in englischer Sprache, denn nur mit Hilfe
dieser Sprache konnte man den nötigen Linstust gewinnen; sodann
bedurfte es dringend eines deutschen Telegraphenbüros, welches
unmittelbar alle Irrtümer, ja Lügen gewisser Londoner Blätter zer
stören konnte. Ich habe diese Überzeugung sofort auch nach Berlin
berichtet und eine Denkschrift darüber eingereicht, um jene 3wr-
derungen eingehend zu begründen. Line Wirkung war nicht er
sichtlich; wir haben jedenfalls durch unser diplomatisches Un
geschick uns sehr geschädigt. —
Ich kenne die Ligentümlichkeiten und die Schwächen des
amerikanischen Lebens zur genüge, um kein unbedingtes Lob an
zustimmen; aber ich must voll anerkennen die Lnergie des dortigen
Lebens, die grostzügigkeit des Unternehmens, die gegenseitige Hilfs
bereitschaft, welche das amerikanische Leben durchdringt; in dieser
Nichtung hat das dortige Leben einen grasten Stil, grundverkehrt
ist die oft von Deutschen geäusterte Meinung, man dürfe in Llmerika
nichts kritisieren, sondern müsse alles gut finden. Ich habe offen
und entschieden auch auf die dortigen Schäden hingewiesen, und
ich bin überall trotz jener Kritik freundlich behandelt worden;
nur einen höhnischen Don verträgt kein Volk, das auf sich selbst
etwas hält.