Full text: Wesen und Weg der Sozialisierung

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ist weder geeignet, Anreiz für Leistungen, noch ein auch nur 
vermeintlicher Anzeiger für die Wirtschaftlichkeit 
einer Maßnahme zu sein, ln der überlieferten Wirtschafts 
ordnung entschied man die Frage, ob eine Mühle oder ein Hüttenwerk 
zu bauen sei, auf Grund des Reingewinns, welchen das eine oder das 
andere Unternehmen abwarf. Verzinste sich das eine mit 5 v. H., das 
andere mit 6 v. H., so galt letzteres für wirtschaftlicher. Wenn höherer 
Reingewinn durch bessere Maschinen, sparsamere Behandlung der 
Rohstoffe erzielt wurde, war er tatsächlich ein Anzeiger der Wirt 
schaftlichkeit, er konnte aber unter Umständen wachsen, wenn der 
Unternehmer Produkte vernichtete oder Produktionsmöglichkeiten un 
genützt ließ. Der Reingewinn war aber nicht nur ein Anzeiger, er war 
gleichzeitig die Prämie für den Unternehmer, durch welche seine Maß 
nahmen belohnt wurden. Der Reingewinn förderte so die Entwick 
lung der Technik, er förderte aber auch den Mißbrauch an Mem- 
schenkraft. 
Was tritt nun an die Stelle des Reingewinns in einer sozialisierten 
Wirtschaft? Die größere oder geringere Wirtschaftlichkeit eines 
Systems von Maßnahmen kann nur durch den Vergleich 
der Gesamtpläne festgestellt werden. Die Naturalrechnungszen,- 
trale hätte etwa einen Wirtschaftsplan unter der Annahme zu ent 
werfen, daß ein Elektrizitätswerk gebaut und die Landwirtschaft in 
gewisser Weise verbessert wird, und einen zweiten unter der An 
nahme, daß ein Kanal gegraben und ein Hüttenwerk errichtet wird. 
Nun hat die Wirtschaftsleitung, vor allem die Volksvertretung, zu ent 
scheiden, ob sie die eine Gestaltung der Lebenslagen oder die andere 
vorzieht, die bessere Versorgung mit Elektrizität und Lebensmitteln 
nebst anderen Wirkungen, oder die bessere Versorgung infolge Aus 
gestaltung des Imports und vermehrter Eisenerzeugung. Keine 
Einzelheiten irgendwelcher Art können dieser Ent 
scheidung zugrunde gelegt werden, weder Geldein 
heiten noch Arbeitsstunden. Es muß unmittelbar die Er- 
freulichkeit der beiden Möglichkeiten beurteilt werden. Vielen er 
scheint es unmöglich, so zu verfahren, und doch ist man es nur nicht 
auf diesem Gebiet gewöhnt. Denn der Entscheidung, ob neue 
Schulen oder Krankenhäuser errichtet werden sollen, hat man auch 
bisher nicht Unterrichts- oder Krankheitseinheiten zugrunde gelegt, 
sondern unmittelbar die Gesamtheit der Veränderungen, welche durch 
Schulen, und jene, welche durch Krankenhäuser bewirkt werden, wenn 
auch nur in großen Umrissen einander gegenübergestellt. Oder ent-
	        
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