Full text : Wesen und Weg der Sozialisierung

16

ist  weder  geeignet,  Anreiz  für  Leistungen,  noch  ein  auch  nur
vermeintlicher  Anzeiger  für  die  Wirtschaftlichkeit
einer  Maßnahme  zu  sein,  ln  der  überlieferten  Wirtschaftsordnung ­
  entschied  man  die  Frage,  ob  eine  Mühle  oder  ein  Hüttenwerk
zu  bauen  sei,  auf  Grund  des  Reingewinns,  welchen  das  eine  oder  das
andere  Unternehmen  abwarf.  Verzinste  sich  das  eine  mit  5  v.  H.,  das
andere  mit  6  v.  H.,  so  galt  letzteres  für  wirtschaftlicher.  Wenn  höherer
Reingewinn  durch  bessere  Maschinen,  sparsamere  Behandlung  der
Rohstoffe  erzielt  wurde,  war  er  tatsächlich  ein  Anzeiger  der  Wirtschaftlichkeit, ­
  er  konnte  aber  unter  Umständen  wachsen,  wenn  der
Unternehmer  Produkte  vernichtete  oder  Produktionsmöglichkeiten  ungenützt ­
  ließ.  Der  Reingewinn  war  aber  nicht  nur  ein  Anzeiger,  er  war
gleichzeitig  die  Prämie  für  den  Unternehmer,  durch  welche  seine  Maßnahmen ­
  belohnt  wurden.  Der  Reingewinn  förderte  so  die  Entwicklung ­
  der  Technik,  er  förderte  aber  auch  den  Mißbrauch  an  Memschenkraft.

Was  tritt  nun  an  die  Stelle  des  Reingewinns  in  einer  sozialisierten
Wirtschaft?  Die  größere  oder  geringere  Wirtschaftlichkeit  eines
Systems  von  Maßnahmen  kann  nur  durch  den  Vergleich
der  Gesamtpläne  festgestellt  werden.  Die  Naturalrechnungszen,-trale
  hätte  etwa  einen  Wirtschaftsplan  unter  der  Annahme  zu  entwerfen, ­
  daß  ein  Elektrizitätswerk  gebaut  und  die  Landwirtschaft  in
gewisser  Weise  verbessert  wird,  und  einen  zweiten  unter  der  Annahme, ­
  daß  ein  Kanal  gegraben  und  ein  Hüttenwerk  errichtet  wird.
Nun  hat  die  Wirtschaftsleitung,  vor  allem  die  Volksvertretung,  zu  entscheiden, ­
  ob  sie  die  eine  Gestaltung  der  Lebenslagen  oder  die  andere
vorzieht,  die  bessere  Versorgung  mit  Elektrizität  und  Lebensmitteln
nebst  anderen  Wirkungen,  oder  die  bessere  Versorgung  infolge  Ausgestaltung ­
  des  Imports  und  vermehrter  Eisenerzeugung.  Keine
Einzelheiten  irgendwelcher  Art  können  dieser  Entscheidung ­
  zugrunde  gelegt  werden,  weder  Geldeinheiten ­
  noch  Arbeitsstunden.  Es  muß  unmittelbar  die  Erfreulichkeit
  der  beiden  Möglichkeiten  beurteilt  werden.  Vielen  erscheint ­
  es  unmöglich,  so  zu  verfahren,  und  doch  ist  man  es  nur  nicht
auf  diesem  Gebiet  gewöhnt.  Denn  der  Entscheidung,  ob  neue
Schulen  oder  Krankenhäuser  errichtet  werden  sollen,  hat  man  auch
bisher  nicht  Unterrichts-  oder  Krankheitseinheiten  zugrunde  gelegt,
sondern  unmittelbar  die  Gesamtheit  der  Veränderungen,  welche  durch
Schulen,  und  jene,  welche  durch  Krankenhäuser  bewirkt  werden,  wenn
auch  nur  in  großen  Umrissen  einander  gegenübergestellt.  Oder  ent-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.