Full text : Wesen und Weg der Sozialisierung

18

entlassungen  und  Aussaugung  der  besten  Kräfte.  Die  Arbeiterschaft
selbst  wird  ja  diese  Dinge  in  die  Hand  nehmen  und  dann  jede  Neuerung ­
  begrüßen,  welche  ihr  Dasein  verbessert;  wir  Rönnen  uns  z.  B.
denken,  daß  die  Einführung  des  Taylorsystems  innerhalb  einer  Fabrik
unmittelbar  die  Verkürzung  der  Arbeitszeit  zur  Folge  hat.
Wir  müssen  diese  Dinge  morgen  in  Angriff  nehmen,  sollen  wir
den  Untergang  unseres  Wirtschaftslebens  aufhalten  und  jene  Lähmungen ­
  beseitigen  können,  welche  der  teilweisen  Sozialisierung,  den
unbestimmten  Erwartungen  anhaften.  Ein  Wirtschaftsplan,  welcher
die  Durchführung  aller  technischen  Neuerungen  gestattet,  kann  uns
noch  retten,  er  kann  aber  heute  nur,  wenn  die  Entscheidung
darüber  in  den  Händen  Aller  liegt,  verwirklicht  werden.
Man  wird  hohe  Prämien  denen  versprechen  müssen,  welche  diese
Organisation  rasch  und  klaglos  durchzuführen  vermögen,  ihnen  Ehre
und  Ruhm  sichern,  wie  sie  ehedem  den  großen  Feldherren  winkten.
Wie  die  große  französische  Revolution  ihre  Armeeführer  aus  der
Erde  stampfte,  so  muß  die  große  deutsche  Revolution  ihre
Wirtschaftsgenerale  aus  der  Erde  stampfen  und  sie
nehmen,  wo  sie  sie  findet.  Jeder  Mann  an  der  Drehbank  muß  den
Marschallstab  unter  seinem  Werkzeug  haben.  Mit  Kleinmütigkeit  und
Vorsicht  wird  nichts  Großes  geschaffen;  Klarheit  und  Einfachheit
allein,  gepaart  mit  dem  Willen,  das  Erstrebte  zu  verwirklichen,
sichern  den  Erfolg.
Der  neue  Geist  der  Sozialisierung  muß  alles  durchdringen;  jede
Einzelmaßnahme  muß  unter  diesem  Gesichtspunkt  betrachtet  werden.
Aller  Gewinnbeteiligung  des  Staates  an  großen  Unternehmungen ­
  kann  daher  keine  entscheidende  Bedeutung  beigemessen  werden,
da  sie  noch  auf  dem  überlieferten  Reingewinnwesen  der  Geldordnung
beruht.  Das  gleiche  gilt  von  der  gesamten  Steuerpolitik,  welche
nur  als  Übergangsmaßnahme  in  Frage  kommt.  Eine  vollständig  sozialisierte ­
  Wirtschaft  kennt  keine  Steuern,  da  ja  alle  Lebenslagen,  alle  Einkommen ­
  unmittelbar  von  der  Gesamtheit  bestimmt  werden,  die
Steuer  aber  selbständige  Einkommen  voraussetzt!
Wenn  wir  alles  unter  dem  Gesichtspunkt  auffassen,  daß  die  Volkswirtschaft ­
  ein  Riesenbetrieb  ist,  welcher  vor  allem  auf  Prämien  für
Leistungen  aufgebaut  ist,  dann  müssen  wir  arbeitslose  Renten  aller
Art  auf  ein  Mindestmaß  einschränken,  sie  im  allgemeinen  nur  Greisen,
Kranken  und  Jugendlichen  zubilligen.  Die  Frage  der  Ablösung  de«
alten  Unternehmertums  müßte  ebenfalls  unter  diesem  Gesichtswinkel
-betrachtet  werden.  Es  ist  von  größter  Wichtigkeit  für  den  Fort ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.