Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

Nicht  weniger  als  114  Arten  papierener  Wertzeichen  und  33  zur  Notenausgabe ­
  berechtigte  Institute  gab  es  1873  im  Gebiete  des  Deutschen  Reichs.
Die  geplante  Reform  verzögerte  sich  infolge  des  Partikularismus  der  süddeutschen ­
  Staaten  und  der  Bedenken  des  preußischen  Finanzministers  von
Camphausen.  Dreimal  mußte  das  Banknotensperrgesetz  von  1870  verlängert
werden,  bis  am  14.  März  1875  das  Bankgesetz  erlassen  und  als  Ausdruck
der  deutschen  Einheit  die  Deutsche  Reichsbank  geschaffen  wurde.
Von  Privatinstituten  kommen  bis  in  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts ­
  fast  ausschließlich  die  Zettelbanken  in  Betracht.  Giro-  und  Kontokorrentverkehr
  waren  noch  so  gut  wie  unbekannt.  Die  Gründung  zahlreicher ­
  großer,  noch  heute  zum  Teil  sehr  angesehener  Banken,  die  ihre
Tätigkeit  hauptsächlich  in  der  Kreditvermittlung  suchten,  fällt  in  das  Jahrzehnt ­
  von  1860—1860.
Der  A.  Schaaffhausensche  Bankverein  ist  1848,  unter  Mitwirkung ­
  der  preußischen  Regierung,  aus  dem  1848  in  Zahlungsschwierigkeiten ­
  geratenen  alten  Bankhause  Abraham  Schaaffhausen  hervorgegangen.
Anfangs  sehr  solide  geleitet,  widmete  sich  der  A.  Schaaffhausensche  Bankverein ­
  später  in  hohem  Maße  dem  Gründungsgeschäft,  bei  dem  er  große
Verluste  erlitt.  Reiche  Erträge  brachte  ihm  dagegen  seine  Beteiligung  an
der  Internationalen  Bohrgesellschaft.
Durch  Generalversammlungsbeschluß  vom  10.  Dezember  1903  war  die  Bank
vom  1.  Januar  1904  ab  für  die  Dauer  von  30  Jahren  in  Interessengemeinschaft ­
  mit  der  Dresdner  Bank  getreten:  Die  Geschäfte
beider  Institute  werden  bei  voller  Aufrechterhaltung  ihrer  Selbständigkeit  gemeinschaftlich ­
  geführt;  die  erzielten  Reingewinne  werden  zusammengeworfen
und  nach  Verhältnis  des  jeweiligen  Aktienkapitals  und  der  bilanzmäßigen  Reservefonds ­
  verteilt.  Mit  dem  1.  Januar  1909  hatte  der  Jnteressengemeinschaftsvertrag
  aber  bereits  sein  Ende  erreicht.
Im  April  1914  erfolgte  die  Fusion  des  A.  Schaaffhausenschen  Bankverein  mit
der  Disconto-Gesellschaft.
1851  wurde  von  David  Hansemann,  dem  preußischen  Finanzminister
  des  Jahres  1848  —  von  dem  auch  das  Wort  stammt:  „In  Geldsachen ­
  hört  die  Gemütlichkeit  auf"  —,  die  D  i  s  c  o  n  t  o  -  G  e  s  e  l  l  s  ch  a  f  t  in
Berlin  als  „Kreditgesellschaft"  begründet.  Kleine  Geschäftsleute  und  Handwerker ­
  erhielten  Diskontkredit  in  Höhe  ihres  Geschäftsanteiles,  von  dem
aber  nur  10  eingezahlt  zu  sein  brauchten.  Da  die  Bank  in  dieser  Gestalt
einem  Manne  wie  Hansemann  nicht  genügen  konnte,  wandelte  er  sie  1856

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