Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Man  drückt  dies  vielfach  so  aus,  daß  man  von  einer  „Verschlechterung  der
Valuta“  spricht.  Diese  Formulierung  ist  aber  ungenau  und  läßt  das  Charakteristische ­
  nicht  deutlich  genug  hervortreten.
Ein  einfaches  Beispiel  möge  dies  beleuchten,  ln  einem  Staate  hätte
jeder  ein  Geldeinkommen  von  100  Kronen,  für  das  er  sich  10  Stück  der  einzig
vorhandenen  Warengattung  zum  Preise  von  je  10  Kronen  kaufen  möge.  Wenn
die  Menge  der  Geldzeichen  verdoppelt  wird,  könnte  es  wohl  Vorkommen,  daß
die  Preise  auf  das  Doppelte  steigen  und  die  Naturaleinkommen  unverändert
bleiben.  Man  würde  dann  wohl  sagen,  die  Kaufkraft  des  Geldes  und  damit
der  Geldeinkommen  sei  auf  die  Hälfte  gesunken.  Denken  wir  uns  aber  nun
den  Fall,  die  Ware  werde  rationiert,  jedem  werde  eine  Ration  von  10  Stück
zugebilligt  und  gleichzeitig  der  Höchstpreis  mit  5  Kronen  festgesetzt.  Jeder
kann  sich  nun  für  50  Kronen  von  seinen  100  Kronen  Geldeinkommen  10  Stück
der  Ware  wie  bisher  kaufen,  der  Rest  von  50  Kronen  würde  in  diesem  erdachten ­
  Fall  unverwendbar  bleiben  —  ein  Fall,  den  die  Verkehrswirtschaft
der  freien  Konkurrenz  nicht  kennen  kann.  1st  dies  nun  eine  „Valutaverschlechterung“ ­
  im  alten  Sinne?  Doch  wohl  nicht.  Die  Kaufkraft  des  halben
Einkommens  ist  auf  das  Doppelte  gestiegen  und  die  Kaufkraft  der  anderen
Einkommenshälfte  auf  den  unendlichsten  Teil  gesunken.  Daß  aber  dasselbe
Geld  innerhalb  derselben  Wirtschaft  mehrere  Kaufkräfte  haben  kann,  ist  in
der  bisherigen  Theorie  nicht  vorgesehen.  Wir  dürfen  das  so  ausdrücken
können  :  Die  Kaufbreite  eines  Teiles  des  Geldeinkommens  wurde  auf  Null
heruntergesetzt,  während  die  Kaufbreite  eines  anderen  Teiles  bei  verdoppelter
Kaufstärke  unverändert  blieb.
Ähnliches  geht  nun  heutzutage  vor  sich,  nur  daß  dies  nicht  so  deutlich
sichtbar  wird,  weil  die  Kaufbreiteneinschränkungen  in  jenen  Teilen  der  Geldeinkommen, ­
  welche  frei  bleiben,  in  der  Form  von  Kaufkraftverringerungen
sichtbar  werden.  Wir  müssen  uns  eben  daran  gewöhnen,  daß  innerhalb  desselben ­
  Geldeinkommens  die  Geldstücke  verschiedene  Kaufbreite  und  auch  verschiedene ­
  Kaufstärke  haben  können.  So  kann  es  Vorkommen,  daß  Marmelade
auf  Karten  gekauft  billiger  ist,  als  ohne  Karten  gekaufte  Marmelade.  Daß  dasselbe ­
  Geldstück  verschiedene  Kaufkraft  haben  kann,  je  nach  dem  Einkommen,
innerhalb  dessen  es  sich  befindet,  mag  auch  erwähnt  werden.  So  zahlt  etwa
der  Wohlhabende  bei  einer  Preisstaffelung  nach  dem  Einkommen  für  dieselbe
Ware  mehr  als  der  Arme.  Manchmal  kann  diese  verschiedene  Kaufstärke  im
Hinblick  auf  einen  Gegenstand  mit  einer  verschiedenen  Kaufbreite  Hand  in
Hand  gehen,  wenn  z.  B.  Schwerarbeiter  nicht  nur  billiger,  sondern  auch  reichlicher ­
  Fleisch  zubemessen  erhalten.  Wir  sehen,  wie  die  Lehre  von  den
Anweisungen  auf  Dinge  aller  Art  —  die  Geldlehre  —  mit
der  Lehre  von  den  Anweisungen  auf  bestimmte  Dinge  eng
verbunden  werden  muß,  um  die  Erscheinungen  der  Gegenwart  voll  würdigen
zu  können.  Allmählich  wird  man  ja  so  weit  kommen,  die  Mystik  des  Geldes
aufzugeben  und  das  Geld  wie  Brot-  und  Fleischmarken  als  ein  schlichtes
Werkzeug  anzusehen.  Vielleicht  wird  man  seine  Wirksamkeit  dann  auch  besser
verstehen  als  bisher.  Es  wäre  denkbar,  daß  man  die  Wirksamkeit  der  Geldordnung ­
  erst  dann  voll  kennen  wird,  bis  sie  in  der  überlieferten  Form  gar
nicht  mehr  besteht.  Die  Geldtheorie  würde  so  zu  einem  Treppenwitz  der  Wirtschaftslehre. ­

Wir  sehen  schon  aus  dem  Bisherigen,  daß  man  von  dem  überlieferten
Begriff  „Kaufkraft  des  Geldes“  nicht  so  ohne  weiteres  Gebrauch  machen
kann.  Es  kann  eine  wesentliche  Erhöhung  der  Kaufstärke  im  Hinblick  auf
gewisse  rationierte  Artikel  eintreten  und  im  Hinblick  auf  andere  Artikel  eine
Erniedrigung,  ja  ein  Versagen  der  Kauffähigkeit  überhaupt,  was  nach  außen
bin  nach  Ansicht  vieler  einen  peinlichen  Eindruck  macht  und  den  Gedanken
an  einen  Zusammenbruch  der  Währung  nahelegt.  Es  ist  klar,  daß  eine  Erhöhung ­
  der  Beamtengehälter  ohne  Veränderung  der  Rationierungsbestimmungen
leicht  zu  einer  starken  Preissteigerung  der  frei  erhältlichen  Waren  führt,  so
daß  der  Zweck  der  Geldeinkommenserhöhung  vereitelt  wird.  Es  fragt  sich
aber,  ob  man  nur  die  beiden  Möglichkeiten  hat,  entweder  die  Geldeinkommen ­
  niedrig  zu  lassen  und  damit  auch  die  Realeinkommen,  oder  die
            
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