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die Hälfte aller schulentlassenen Kinder diese Stellen auf. In Öster-
reich besorgen diese Tätigkeit sowohl die Arbeiterkammern als auch
die Schulen und die Industriellen Bezirkskommissionen, ebenso die
Landesjugendämter; doch handelt es sich zumeist nur um bloße
Lehrstellenvermittlung, nicht überall findet wirkliche fachmännische
Berufsberatung statt, und erst in der letzten Zeit kommt es zu eigent-
lichen Eignungsprüfungen, so in dem Psychotechnischen Institute der
Wiener Bezirkskommission (für Mechaniker, Gastwirte u. a.), wobei
nicht mehr bloß die körperliche, sondern auch die geistig-charaktero-
logische Eignung des Anwärters geprüft wird. In Deutschland gibt
2s solche Prüfungsstellen schon in jeder mittleren Stadt und in vielen
zrößeren Betrieben.
Was den gewerblichen Betrieb selbst betrifft, so kann auch
hier so manche Maßregel der Rationalisierung angewendet werden.
Normung, Standardisierung und Spezialisierung sind sehr
wohl auch in vielen Gewerben von praktischem Wert, weil dadurch
auch hier die Regien verringert werden. Zunächst ist es ein Vorteil,
wenn das Geschäftspapier, die zahlreichen Halb- und Zwischen-
fabrikate des Gewerbes genormt, in Serien hergestellt werden;
zweckmäßig kann dies in Genossenschaften des betreffenden Ge-
werbes geschehen. Es ist aber auch wertvoll, wenn der Fabrikant
oder Händler, welcher dem Gewerbetreibenden Maschinen liefert,
möglichst wenig Arten und Sorten dieser Erzeugnisse und ihrer
Ersatzteile auf Lager halten muß, denn er wird um so mehr brach-
liegendes Kapital brauchen, je größer die Zahl dieser Arten ist,
infolgegessen auch mehr Zinsen berechnen, also um so teurer
verkaufen müssen. Es ist durchaus nicht notwendig, daß eine
Holz- oder Metallbearbeitungsmaschine von jeder Fabrik in anderen
Typen erzeugt wird; dies ist eine ganz und gar unnütze Verteuerung
ınd Erhöhung des gewerblichen Betriebskapitals.
Auch die Organisation des gewerblichen Betriebes vermag
in mehrfacher Hinsicht rationeller. gestaltet zu werden. Ob großer
ader kleiner Betrieb: die Ordnung und Zweckmäßigkeit der
Lagerung der Werkzeuge und Materialien erspart viel Zeit des
Suchens, Holens, Tragens. Ebenso ist die sparsame Behandlung
des Materials notwendig. Das Karlsruher Institut erhob z. B. in einer
mittelgroßen Schreinerwerkstätte, daß etwa 50 Prozent der »Arbeits-
zeit« auf solche durchaus überflüssige Verrichtungen entfielen.
Ferner ist es ein Unterschied, welche Betriebskraft der Gewerbe-