Object: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

40 ; VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. 
Man hat unter dem vorhin geschilderten Gesichtspuntt 
auch auf die große Rolle hingewiesen, welche „die Gesellschafts- 
unternehmungen bei der Entwicklung des Kapitalismus spiel- 
ten, da in ihnen zwecks Auseinandersetzzung zwischen den Gesell- 
schaftern eine Geldrechnung aller Kosten gemacht werdenmußte."1) 
Allein wir wisssen, daß die Gesellschaftsunternehmungen schon 
vor dem Aufkommen des Kapitalismus eine gewaltige Rolle 
gespielt, z. T. den kapitalistischen Unternehmungen entgegen- 
gewirkt haben?). Dagegen stehen gewiß die Aktiengesellschaften 
in historischem Zusammenhange mit dem Kapitalismus?). 
Aus dem Gesagten ergibt sich bereits, daß es durchaus irrig 
ist, Kapitalismus mit Geldwirtschaft gleichzuseßsen, wie es 
Brentano!) unternimmt, der aber andrerseits wieder drei 
alte Arten des ,kapitalistischen Wirtschaftsbetriebs“" namhaft 
macht: 1. Handel, 2. verzinsliches Darlehn, 3. Krieg. Gewiß 
beflügelt das Aufkommen der Geldwirtschaft den Erwerbs- 
trieb, insofern sie ein auf die mannigfachste Art und für die 
mannigfachsten Bedürfnisse verwertbares Mittel zur Verfügung 
stellt. Das Geld gibt einen mächtigen Reiz, über das eigene 
Bedürfnis hinaus zu arbeiten und zu sparen, weil der Gewinn 
nun jederzeit und allerorten verwertbar bleibt, während die 
Naturalien in der Zeit der Naturalwirtschafst über ein bestimmtes 
Maß hinaus nicht zu verwenden waren’). Seitdem einmal 
das Geld vorhanden war, mußte sich der Erwerbstrieb ver- 
stärken, weil sein Ziel jetzt leichter zu erreichen war. Man sieht 
einen charakteristischen Zug der naturalwirtschaftlichen Produk- 
tionsunternehmung darin, daß nicht so sehr die innere Leistungs- 
1) Liefmann, S. 95. 
2) S. oben Nr. VT s 6. 
3) Liefmann, S. 96. 
+) Brentano, Die Anfänge des modernen Kapitalismus S. 116; 
dazu Passows angeführte Kritik S. 340. Brentano drückt sich frei- 
lich nicht ganz klar aus und bleibt die Antwort auf manche Fragen 
schuldig. Er seit dazu noch (S. 15) die Naturalwirtschaft, zu der er 
die Geldwirtschaft in Gegensat stellt, mit der geschlossenen Haus- 
wirtschaft gleich. 
5) Vgl. oben S. 146 und 166. 
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