4(13 VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
richtige Beobachtung!), daß „das Verlangen nach Gütern über
das. Maß des persönlichen Bedarfs tief in der menschlichen
Natur wurzelt, nicht erst in der kapitalistischen Wirtschaftsperiode
hervortritt“, daß „die Änderung, welche der bestehende
Kapitalismus hervorgerufen hat, lediglich darin besteht, daß
er diesem Streben eine andere Richtung gegeben hat.“ „An
die Stelle des unbegrenzten Strebens nach Landbesitz trat das
nach Geldgewinn“. Settt Brentano hier wieder Geldwirtschaft
und Kapitalismus gleich, in gemeinsamem Gegensatz gegen die
Naturalwirtschaft, so ist ihm das Wesen des Kapitalismus ,das
unbegrenzte Streben“, nur nicht, wie in der „feudalen Wirtschaftsordnung“",
nach Land, sondern nach Geld?). Da freilich
„Das unbegrenzte Streben“ an sich schon zur Zeit der Naturalwirtschaft
vorhanden ist, so könnte es sich bei dem kapitalistischen
bloß um gesteigertes „unbegrenztes Streben“ handeln. Werfen
wir deshalb die Frage auf, ob ein solches den Kapitalismus
ausmachen kann, so liefert wiederum bereits das frühe Mittelalter
die nötige Widerlegung. Es gibt aus ihm Äußerungen
über recht ausgeprägtes Gewinnstreben?), und die zahllosen
städtischen Statuten, welche der Ausdehnung der Betriebe,
dem spekulationslüsternen Handel zu steuern sich bemühen,
bezeugen greifbar genug, daß ein kräftiges Gewinnstreben
ganz gewiß vorhanden war. Es fehlt auch nicht Überproduktion
im mittelaiterlichen Handwerk). Wir werden in dem Eifer
des Gewinnstrebens nicht den entscheidenden Zug des Kapitalismus
sehen dürfen. Denn wie im Mittelalter davon genug vorhanden
ist, so sind andererseits durchaus nicht alle Vertreter
des heutigen Kapitalismus in gleichem Maß vom Gewinn-1)
a. a. O. S. 115. Ich hatte schon früher (H. Z. 91, S. 443)
darauf hingewiesen.
2) a. a. O. S. 116.
3) Pirenne, Les périodes de Il’histoire sociale du capitalisme,
SA. aus dem Bulletin de l’Académie royale de Belgique, classe
des lettres, 5. Mai 1914, S. 273. Beispiele aus den Kapitularien
bei Brentano S. 87. Andere Beispiele ebenda S. 91. S. auch unten
S. 410 Anm. 2.
4) V.j.schr. f. Soz.- u. W.G. 1904, S. 272.
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