Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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b)  Die  Produktionskostentheorie
Die  Produktionskostentheorie  (Senior  [1830],  John
Stuart  Mills,  sucht  den  Wert  des  Geldes  [Gold,  Silber)  aus  den
Kosten  seiner  Erzeugung  [der  Edelmetallgewinnungs  zu  erklären,  genauer
nach  den  G  r  e  n  z  k  o  st  e  n,  d.  h.  den  Kosten  des  am  teuersten  arbeitenden,
aber  zur  Deckung  des  Bedarfs  noch  nötigen  Produzenten  der  Edelmetalle.
Sind  die  Produktionskosten  stärker  gefallen  als  die  Gewinnungskosten  des
Edelmetalls,  so  müsse  ein  Sinken  der  Warenpreise  eintreten.
Ricardo  läßt,  auf  seiner  Wertlehre  fußend,  den  inneren  Wert  des
Goldes  von  seiner  Seltenheit  und  den  Produktionskosten  abhängen;  das
Gold  werde  gegen  andere  Waren  im  Verhältnis  der  darauf  verwandten
Arbeitsmengen  ausgetauscht.  Noch  einseitiger  bestimmt  Karl  Marx  den
Wert  des  Geldes  nach  der  zu  seiner  Produktion  nötigen  Arbeitszeit.
Diese  Produktionskostentheorie  gibt  eine  auf  geschichtlichen  Erfahrungen
beruhende  Erklärung  für  den  Wert  des  Währungsmetalles,  nicht  aber  für
den  Wert  des  Metallgeldes.  Sie  erblickt  einseitig  die  Veränderungen  im
Geldwerte  auf  seiten  des  Edelmetalls  und  übersieht  den  Einfluß  von
Produktionsveränderungen  auf  der  Warenseite.  Der  Tauschwert,  also  die
Kaufkraft  des  Geldes,  steigt  durch  alle  Produktionsverbilligungen.  Die
Produktionskosten  sind  lediglich  eine  Grenze  für  die  Goldgewinnung. ­
  übersteigen  die  Produktionskosten  des  Goldes  das  bestehende
Münzfußverhältnis  (f.  unten),  dann  würde  die  Produktion  die  Kosten
nicht  mehr  decken.  Ebenso  kann  aber  auch  der  Goldpreis  der  Edelmetalle
nicht  unter  den  gesetzlichen  Münzfuß  herabgehen,  weil  dann  das  Gold  zur
Münze  gebracht  und  gemäß  dem  gesetzlichen  Münzfüße  ausgeprägt  werden
würde.
c)  Metallismus  und  Nominalismus.  Die  Funktionstheorie ­

Die  Produktionskostentheorie  begreift  das  Wesen  des  Geldes  aus  seiner
Wareneigenschaft.  Grundlage  des  Geldwertes  ist  der  Geldstoff,
  das  Metall.  Diese  Auffassung  nennt  man  Metallismus.
Ganz  schroff  formuliert  Knies  (1885):  1000  Stück  Geld  aus  wertlosem
Stoffe  bedeuten  nicht  mehr  als  1000  Stücke  irgendeines  Dinges,  die  die
Aufschrift  ha-ha  oder  x-x  trügen.  Das  Papiergeld  erhält  seinen  Wert  nur
durch  die  Bindung  an  das  Edelmetall.
            
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