fullscreen: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst. 
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Ranke und Hegel die ihnen weniger wichtig erscheinenden Seiten 
des geschichtlichen Lebens bezeichnet haben. Jeder Kleinste unter 
uns webt mit am Webstuhl nicht bloß der Zeit, sondern auch der 
Ewigkeit; keiner kann entbehrt werden, und die innere Gleichheit, 
die vor dem Gott des Christen gilt, gilt auch vor dem Richtstuhl 
der Geschichte. Hinweg mit der heidnischen, gegenchristlichen, ja 
unmenschlichen Ansicht, daß nur die große Persönlichkeit die Ge— 
schichte mache: ein Schlag ins Angesicht ist sie des gemein— 
menschlichen Wesens. 
Aber wir wuchern mit verschiedenen Pfunden. Der ewige 
Kern des Wirkens des einen ist im Verhältnis zur Masse 
des Geschaffenen gering; bei anderen bildet er den breiten, 
seinem Geschlecht, seiner Nation, ja der Menschheit leuchtenden 
Silberblick des Lebens. So verleibt auch der technische Meister 
des Impressionismus, ganz abgesehen davon, daß er mit 
nerviger Kraft eine höhere Kulturstufe seiner Kunst erklimmen 
hilft, seiner Schöpfung einen Teil seines Wesens ein: die 
vérité vraie, von der Courbet träumte, eine individualitätslose 
photographische Abstraktheit der Kunst, giebt es nicht, und Zola 
hat recht mit seinem Ausspruch von dem coin de la nature 
vu à travers un tempérament. Von einzigartigerem Werte sind 
aber doch die Kunstwerke, in denen sich das Temperament zur 
Persönlichkeit erweitert und wir den Weg von dem natura— 
listischen Pol der Lebenswiedergabe hin zu dem idealistischen 
beschritten und vollendet sehen. Natürlich nicht, ohne daß vor— 
her der Weg einer naturalistischen Kunst in jeder möglichen 
Form der Hingabe und Bewältigung passiert sei. Kein großer 
Idealist, der nicht ein großer Naturalist war, ist und jederzeit 
sein kann. Kein Pencz oder Beham, sondern ein Dürer, keine 
Nachahmung oder gar Nachahmung der Nachahmer des Ur— 
sprünglichen, sondern Ursprünglichkeit, — das sei die höchste 
Losung des Künstlers; und ist dies Ziel nicht zu erreichen, dann 
nicht in einem haltlosen Scheinidealismus zerflattern, sondern 
wenigstens Meister sein einer thunlichst unverbrüchlichen Wirk— 
lichkeitswiedergabe, Meister einer im weitesten Sinne des Wortes 
vollendeten Technik.
	        
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